In Anerkennung einer Legende – Eine Ehrung für Cowboy Jack Clement von Colin Escott


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Give Me Flowers While I’m Living , ein alter Pop-Song, den Countrysänger von der Carter Family bis zu Flatt & Scruggs übernommen haben, hätte der Grundgedanke für ‚In Anerkennung einer Legende – eine Ehrung für Cowboy Jack Clement’ sein können. Die Ehrung fand am 30. Januar 2013 an einem früheren Heimatort der Grand Ole Opry, dem War Memorial in Nashville, statt und war derart überschwänglich, dass man meinen könnte, man sei auf einer Trauerfeier. Stattdessen hielt der Cowboy Einzug als Vorhut einer Polka Band und saß später in einem Armsessel, während eine schwindelerregende Anordnung aus Künstlern, Freunden und Honoratioren seine Songs und seine Lobeshymnen sang. Im Publikum saßen Sam Phillips’ langjährige Lebensgefährtin Sally Wilbourn und sein Sohn Jerry zusammen mit Scotty Moore und dessen Frau. Manager, Repräsentanten von Schallplattenfirmen, Songwriter und Journalisten erschienen im Überfluss. Der gesamte Erlös kam Clements Lieblingswohltätigkeitsorganisation zu Gute, die sich um die medizinische Versorgung von Musikern kümmert, die schwere Zeiten durchleben.

Es ist ziemlich wohlbekannt, dass Clement kürzlich etliche Schicksalswenden durchlebte. Sein Studio, das Cowboy Arms Hotel and Recording Spa, wurde durch ein Feuer im Juni 2011 teilweise zerstört. Ende letzten Jahres erklärten ihm die Ärzte, er leide an Leberkrebs im Endstadium. Noch immer ist er Gastgeber seiner Satellitenradio-Show auf Sirius-XM. Doch es ist kein Geheimnis, dass seine mentale Scharfsinnigkeit in seinem zweiundachtzigsten Lebensjahr nachlässt. “Wenn alles versagt,” erzählt Clement gerne, “versuch’s mal mit Glück.” Doch an diesem Punkt wird’s mehr als nur Glück brauchen, um den Cowboy zu retten.

Einige erzählten Geschichten. Allen Reynolds, der später Garth Brooks produzierte, erklärte, wie Jack zu dem Namen ‘Cowboy’ kam, eine Geschichte, die leider zu lang ist, um hier wiedergegeben zu werden. Dickey Lee sagte, Clement sei wie Moses und habe seine Leute von Memphis über Beaumont nach Nashville geführt, ihn und Reynolds eingeschlossen. Produzent Jim Rooney, viele Jahre Augenzeuge der Ereignisse im Country Arms, hielt eine lange Rede. Peter Guralnick zog Parallelen zwischen Clement und seiner Muse, William Shakespeare. Jene, die nicht persönlich anwesend sein konnten, schickten Videobotschaften so wie Präsident Bill Clinton, Marty Stuart, Bono von U2 (Clement produzierte einen Teil des U2-Albums ‘Rattle And Hum’), Produzent Rick Rubin (der Johnny Cashs späte, wiederbelebte Karriere federführend begleitete) und die Schauspieler Ted Danson, Mary Steenburgen, John C. Reilly und Dennis Quaid. Die Schauspielerin Connie Britton, zurzeit der Star der zur besten Sendezeit ausgestrahlten Soap-Opera ‘Nashville’ auf ABC, verlas einen Brief von Michelle Obama. Ein filmischer Beitrag der heutigen Teenager-Prinzessin Taylor Swift traf einen unwirklichen Ton. Bemerkenswert war die Abwesenheit von Don Williams, der von Clement aus der Obskurität geholt und bis zum Starruhm gefördert worden war. Offensichtlich konnten entweder Williams oder Clement nicht auf den Groll verzichten, in dem sie auseinander gegangen waren. Und es fiel auf, dass Jerry Lee Lewis weder persönlich noch per Film anwesend war. Dabei könnte er immer noch in Louisiana rumhängen, hätte es Clement nicht gegeben.

Nahezu jeder Beitrag war auf einen Song beschränkt, den Clement entweder geschrieben, produziert oder verlegt hatte. Shawn Camp und Billy Burnette legten los mit Billy Rileys Red Hot. Clement war mit Rileys Tonbändern zu Sun gekommen und setzte sie gewinnbringend für einen Job für sich selbst und einen Vertrag für Riley ein. Del McCoury, Star des Bluegrass, sang It’ll Be Me, jenen Song, den Clement für Jerry Lee Lewis schrieb. Wahrscheinlich gebührt John Prine der Preis des Abends für seine Gesang/Gitarre-Version von Ballad Of A Teenage Queen, wobei er aus Clements Entwurf eine Ballade aus den Appalachen zauberte. Die Bluegrass-Musiker Tim O’Brien und Sam Bush spielten Miller’s Cave und Dirty Old Egg-Sucking Dog. Dickey Lee interpretierte seine persönliche Pensionsrücklage She Thinks I Still Care, ein Song, der von Clement verlegt und von diesem George Jones ans Herz gelegt wurde. Charley Pride, der einzige afro-amerikanische Superstar der Country Music, dessen Karriere Beleg ist für Clements Eklektizismus, war der einzige auftretende Künstler, der zwei Songs sang. Vince Gill interpretierte Does My Ring Hurt Your Finger, einen jener Songs, die Clement als Co-Autor für Pride geschrieben hat. Dan Auerbach von den Black Keys und das aufstrebende Nashville-Talent Nikki Lane harmonierten bei Clements freizügigstem Song, Just Someone I Used To Know. Jakob Dylan sang Waymore’s Blues, einen Song, den Clement für Waylon Jennings produziert hat. Rodney Crowell und seine frühere Bandleaderin Emmylou Harris harmonierten bei Dreaming My Dreams With You, einem Song von Allen Reynolds, den Clement für Waylon produziert hat. Kris Kristofferson kam auf die Bühne, schaute zu Clement und sagte. “Alles, was mir in meinem Leben passiert ist, verdanke ich Jack.” Dann sang er Big River zusammen mit W.S. Holland an der Snare Drum. Buddy Miller, T-Bone Burnett und John Hiatt sangen zum Abschluss I Guess Things Happen That Way und Amanda. “Jack Clement ist kein Mitglied der Country Music Hall of Fame? Was … für … ein … Sch…!” sagte Burnett abschließend.

Bis zum Schluss wusste niemand, ob Clement selbst auf die Bühne kommen würde. Letztendlich, etwas unsicher, trat er auf. Er saß etwas wackelig auf einem Barhocker und nahm eine Gitarre. “Und jetzt?”, fragte er. “Entspann Dich!”, rief jemand aus dem Publikum, indem er eins von Clements bekannten Zitaten nachplapperte. Mit berührender Gebrechlichkeit sang Clement When I Dream. Bei Good Hearted Woman, Gone Girl und Brazil gewann er an Kraft und mit No Expectations von den Rolling Stones (“Ich erwarte nicht, dass ich noch einmal davonkommen werde”) kam er zum Ende. Damit brachte er den Saal zu Standing Ovations. Jeder im Publikum wusste, dies würde der letzte Blick auf den Cowboy sein.

 

JACK CLEMENT: Everybody Likes A Nut (Jeder mag Verrückte)
Martin Hawkins und Colin Escott

Im Gegensatz zu den meisten anderen Musikern, die für Sun Records gearbeitet haben, kennt man Jack Henderson Clement eher aus der Zeit nach seinen Jahren bei Sun, als aus der Blütezeit des Rockabilly. Clement wird seit mehr als sechs Jahrzehnten als äußerst talentierter Musikproduzent und Musiker, der gelegentlich unter eigenem Namen Aufnahmen macht, und als echtes Original allseits geschätzt. Man nennt ihn den ‘Musikanten’ oder auch ‘Cowboy’. Seinen Ruf hat er sich vor allem in der Country Music erarbeitet. Er war es, der Charley Pride und Don Williams entdeckte und deren Musik einem weltweiten Publikum näher brachte. Er stand im Fokus der ‘alternativen’ Musiker in Nashville. Zwischen 1956 und 1958 spielte Clement als Songwriter, Studioingenieur und musikalischer Katalysator eine wichtige und doch zugleich untergeordnete Rolle bei Sun Records. In dieser Zeit stritt er sich permanent mit Sam Phillips. Clement wollte den Sun-Sound weiterentwickeln; er sollte ‘musikalischer’ klingen. Es mag durchaus sein, dass Johnny Cash ohne die Mitwirkung von Jack Clement niemals den Durchbruch und gewaltigen Erfolg im Popgeschäft erreicht hätte.

Jack Clement kam am 5. April 1931 in Whitehaven, Memphis, zur Welt, wo er bis 1948 lebte, um sich dann für vier Jahre bei den U.S. Marines zu verpflichten. Zu Hause mochte er alle Arten von Musik, besonders jedoch die Rundfunkübertragungen von Roy Acuff und Merle Travis. Die Zauberkünste von Travis auf der Gitarre lehrten ihn, dass Musik entweder einfach oder kompliziert sein konnte, dass sie vor allem jedoch gut sein musste. Zweitklassiges tolerierte er zu keiner Zeit, auch dann nicht, wenn die einfachsten Rocker mit drei Akkorden aufgenommen wurden. Merle Travis hat er nicht ‘live’ erlebt; doch er ging zu Smilin’ Eddie Hills ‘High Noon Roundup’, einer Show, die jeden Tag im Schaufenster eines Kaufhauses in Memphis stattfand und über den Radiosender WMC ausgestrahlt wurde. Er schloss sich der Zuschauermenge vor dem Kaufhaus an und hörte Hill, Harmonica Frank, Slim Rhodes, Wayne Raney & The Delmore Brother und vor allem die Louvin Brothers mit ihrem hellen Harmoniegesang und den traurigen Liedern aus dem Hill Country. Die Marinebasis, bei der Clement stationiert war, lag am Stadtrand von Washington, D.C. Hier erlebte er gegen Ende 1948 erstmals Bluegrass Music. “Ich verliebte mich sofort in das fünfsaitige Banjo“, erinnerte er sich. “Ich musste mir eins besorgen und sofort anfangen, zu üben.” Schon bald war er gut genug, um mit Roy Clark – der später ein Superstar der Country Music werden sollte, zu jener Zeit allerdings einen festen Musikerjob in einem Club namens ‘The Famous’ in Washington hatte – Duette zu spielen. Samstagabends fuhr er mit Scotty Stonemans Band oft runter nach Maryland. Scotty war die tragende Säule der bekannten Stonemans. Er selbst spielte Fiddle, an der Mandoline, dem Banjo und am Bass unterstützt von Jack Clement, Buzz Busby und Jimmy Stoneman. Der Dobrospieler Ralph Jones rundete die Besetzung ab. Clement erinnert sich an Jones als einen der seiner Meinung nach besten Oldtime Country-Musiker. 1952 kehrte Jack kurzfristig nach Memphis zurück. Doch schon bald war er zusammen mit Buzz Busby auf dem Weg nach Wheeling in West Virginia, wo die beiden als “so eine Art Bluegrass-Comedy auftraten, ähnlich wie Homer & Jethro”. Ebenfalls zu dieser Zeit spielte Jack in Baltimore und Boston und machte seine ersten Aufnahmen. “Das war 1953. Wir spielten bei einer Radioshow in Baltimore, als Hawkshaw Hawkins’ Manager, Aubrey Mayhew, uns anbot, für seine ‘Hayloft Jamboree’ auf WCOP in Boston aufzutreten. Dort trafen wir auf James Daliano, einen berühmten Waldhornbläser, der erklärte, er wolle uns für das Sheraton-Label aufnehmen. Daliano war der Besitzer, doch er ließ Aubrey die Firma leiten. Wir nahmen meine ersten beiden veröffentlichten Songs auf, ‘I Can’t Say Nothing At All’ und ‘I Think I’ll Write A Song’. Sie stammten von Buzz und Jack, und wir spielten sie im Stil von Webb Pierce.”

Da Sheraton Records nur im Nordosten vertrieben wurden, passierte nicht viel. Schließlich wurde Jack des Duos überdrüssig. Schon ansatzweise ‘verrückt’, trat er einer hawaiianischen Band in Washington bei, um 1954 wiederum in Memphis aufzutauchen. In jenem Jahr antwortete er auf eine Stellenanzeige. Die Arthur Murray School of Dancing auf der Main Street suchte einen Praktikanten für den Beruf des Tanzlehrers. Er bekam den Job. Gleichzeitig ging er zur Universität in Memphis, um Englisch zu studieren.

An Abenden und Wochenenden spielte er mit einer vom Western-Swing beeinflussten Country-Band, die von seinem Freund, dem Lastwagenfahrer Slim Wallace, geleitet wurde. Als sie im Eagles Nest in Memphis auftraten, überbrückte ein junger Elvis die Pausen. Die Dixie Ramblers von Wallace spielten regelmäßig in einem Club in Paragould in Arkansas. Eines Nachts auf der Rückfahrt planten Jack und Slim ihren Einstieg ins Musikgeschäft. Slim steuerte die meisten der 450 Dollar bei, die sie benötigten, um ein altes Magnacord-Tonbandgerät von DJ ‘Sleepy Eyed John’ zu kaufen. Jack richtete in Slims Garage sein erstes Studio ein. Die Garage war an dem Fernwood Drive, und so nannten sie das Label Fernwood.

Die erste Fernwood-Platte gibt es nicht. Es sollte Trouble Bound von Billy Riley werden, dem wilden Typen aus Arkansas. Nachdem Jack Clement mit den Aufnahmen fertig war, brauchte er jemanden, der die Songs von Tonband auf Platte überspielte. Auf Empfehlung von Bill Fitzgerald von Music Sales Distributors ging er zu Sun Records. Sam Phillips hörte Clements Band, auf dem Riley Trouble Bound sang, und bot sowohl Jack als auch Billy Riley einen Job an. Am 15. Juni 1956 ging Clement zu Sun. Sein Interesse an Fernwood reduzierte sich auf die Nutzung der Sun-Einrichtungen, um Master zu erstellen, und um dem Nummer-Eins-Hit Tragedy von Thomas Wayne Echo hinzuzufügen. Diese Aufnahme war bei Hi Records entstanden, da das Garagenstudio noch immer nicht fertiggestellt war. “Sam Phillips hat sich immer gewundert, wie sie dieses Echo hinbekommen hatten”, sagte Jack mit einem Grinsen. “Doch ich wusste, man brauchte dafür nur ein paar Minuten. Warum also sollte ich es ihm erklären?”.

Die Frage, ob es wirklich Sam Phillips war, der die Entwicklung des Sun-Sounds kontrollierte, ob er wirklich ‘der Typ’ war, oder ob er schlichtweg nur Glück hatte, beantwortet Jack Clement ohne jeden Zweifel. “Sein ganzer früher Erfolg war ausschließlich Sams eigener Verdienst. Elvis, Carl, Cash. Meine Aufgabe war die Entwicklung des Cash-Sounds und der von Bill Justis und Charlie Rich. Im Gegensatz zu Sam wollte ich Dinge musikalischer machen. Doch Sam verstand etwas, von dem ich damals keine Ahnung hatte. Er verstand etwas vom ‘Gefühl’ in der Musik. Ich war an Maschinen und verbesserten Aufnahmetechniken interessiert. Sam liebte leere, hohle und fette Sounds; doch er wusste ein oder zwei Dinge, die ich nicht kannte. Er ließ mich das tun, was ich für richtig hielt. Doch er behielt die absolute Kontrolle über alles, was veröffentlicht wurde. Roy Orbison war der erste Künstler, den er mir übertrug. Ich nahm ‘Rockhouse’ mit Roy auf, eine gute Sache. Doch Roy mochte die begrenzten Möglichkeiten im damaligen Sun-Studio nicht.”

Jack verbrachte viele Stunden mit verschiedenen Musikern, die er besonders mochte. Er erinnert daran sich mit offensichtlichem Vergnügen. “Nach ‘Home Of The Blues’ bekam ich  Johnny Cash von Sam. Sonny Burgess. Er war ein guter Musiker, doch er passte nicht wirklich zu einem Groove; dasselbe mit Conway Twitty, dessen Platten mich noch nie überzeugt haben. Dann Ernie Chaffin und Mack Self, beides ausgezeichnete Countrysänger”. Aus Jack Clements Sicht klangen die Platten auf Sun nicht ‘musikalisch’ genug. Jack war verantwortlich für den Erfolg von Cash im Popgeschäft und für etliche Experimente mit Begleitsängern und Steelgitarren-Sounds. Was er an Sun wirklich mochte, das war zunächst die Fülle an talentierten Musikern und, zweitens, die entspannte Atmosphäre. Er konnte tun und lassen, was er wollte. Er konnte die ganze Nacht an einer Session arbeiten, er konnte nebenan in Taylor’s Cafe Songs wie Cashs Guess Things Happen That Way schreiben oder gar ein Badezimmer im Abhörraum des Studios bauen. Eines Tages erzählte er Sam, er könne für ein paar hundert Dollar ein Büro für Barbara Barnes, die sich um Promotion kümmerte, bauen. Also sagte er Sessions ab und begann mit den Holzarbeiten.

Außerdem verbrachte er Zeit damit, Freunden bei konkurrierenden Firmen beim Mastern ihrer Aufnahmen zu helfen und an seinem eigenen musikalischen Sound als Künstler zu arbeiten. Jack Clements Sound war Country, doch es war nicht der Sun-Sound. Sein Sound war akustisch mit klaren Höhen anstelle des matschigen Basssounds bei Cash. Clements Freund Jimmy C. Wilson hatte bei der Entwicklung geholfen. Jack sagt: “Wilson war annähernd so verrückt wie ich. Er war ein bisschen durchgeknallt. Er lebte in ein paar Zimmern über Taylor’s Cafe, und er konnte großartig spielen, wenn er in der richtigen Stimmung war. Er hielt einen Waschbären als Haustier, den er mit runterbrachte und am Klavier ankettete. Oben in seinen Zimmern baute er alte Gewehre auseinander und neu wieder zusammen und steckte einmal das Zimmer in Brand. Bald darauf feuerte er da oben eine Rakete ab, ein selbst gebasteltes Teil, worauf hin sie ihn rausschmissen. Er ging nach Kalifornien und heiratete die Tochter von Nudie, dem bekannten Schneider”.

Im Februar 1957 machten sich Clement und Wilson plus Waschbär auf den Weg zu den RCA Studios in Nashville. Sie engagierten den Bassisten Bob Moore und nahmen vier Songs auf. Mit Ten Years waren sie am meisten zufrieden, eine leichte, gefällige Country-Ballade, eine heroische Geschichte, die dem Song ein besonderes Gefühl verlieh. Das ist der Stil von Jack Clement, den er im Oktober bei der Sun-Aufnahme von Black Haired Man erneut umsetzte, eine schnelle, rhythmische Weiterentwicklung des Cash-Beats, eine klasse Ballade von einem Revolverhelden und eine ziemlich erfolgreiche Platte. Wrong, die B-Seite, ist leichter Country-Pop zum Mitsingen mit markanter akustischer Gitarre von Jack.

Anfang 1959 verließ Jack Sun Records. Zurück ließ er eine Reihe von Produktionen, die sich millionenfach verkauft hatten. Die Erlöse aus seinen Verlagstantiemen nutzte Jack, um Ausrüstung zu kaufen und Summer Records auf der Main Street in Memphis zu gründen. Mit Ausnahme des grauenhaften neuen Songs namens Motorcycle Michael war Summer ein Reinfall. Clement blieb jedoch geschäftstüchtig und spielte mit Produktionen für Pepper Records (Tommy Tuckers Return Of A Teenage Queen) und für Echo Records herum, eine Firma, die er mit Stan Kesler und Clyde Leoppard gegründet hatte und für die er ein Studio auf der Manassas Avenue eingerichtet hatte. Im Herbst 1959 hatte Jack all sein Geld sinnlos ausgegeben und, mit seinen eigenen Worten, “beschlossen, ich müsste wohl arbeiten gehen.” Er rief Chet Atkins in Nashville an und wurde als jüngster Produzent in der Geschichte von RCA eingestellt. In der Folgezeit produzierte er Del Wood und bildete Stars wie Jim Reeves aus, die vielleicht seine Songs aufnehmen würden.

Nach Clements erstem Abschnitt in Nashville ging er nach Beaumont, Texas, um mit dem Musikverleger Bill Hall zu arbeiten. Dort machte er George Jones den späteren Nummer-Eins-Hit She Thinks I Still Care schmackhaft, arrangierte Ring Of Fire für Johnny Cash und produzierte den Millionen-Pophit Patches für Dickey Lee, der ihn ‘Cowboy Jack’ nannte. Während dieser Zeit schrieb er ein paar Songs für Johnny Cash, darunter Everybody Loves A Nut und The One On The Right Is On The Left. 1965 ging er nach Nashville zurück und wurde zum ortsansässigen Freak … einen Titel, den er noch immer stolz trägt. Sein größter Coup war der Vertrag mit Charley Pride. Doch er schloss weitere Verträge mit Townes Van Zandt, den Stonemans und vielen anderen politisch links von der Mitte stehenden Künstlern. Charley Prides erste Session zahlte er aus eigener Tasche und bot sie anschließend den Firmen in der Stadt an. Es war alles andere als einfach. “Nach der ersten Session machte die Nachricht die Runde, dass irgendein Idiot einen schwarzen Countrymusiker aufnehmen würde. Das Studio war brechend voll mit der Hälfte der Musikbranche in Nashville, die miterleben wollte, wie ich einen Trottel aus mir machen würde.” Schließlich ergriff Chet Atkins die Gelegenheit und brachte Snakes Crawl At Night auf RCA heraus. Pride und Clement schickten sich an, die meist gekauften Künstler auf RCA zu werden.

Mit dem Geld aus den Charley Pride-Verkäufen richtete er ein Studio auf dem Belmont Boulevard neben Shelby Singletons wiederhergestellten Sun Records ein. Dort betrieb er Jack Music Publishing und gründete ein Plattenlabel, JMI. 1970 nahm er dort eine der erfolgreichsten Platten des Jahres auf, Ray Stevens mit Everything Is Beautiful. Ein paar Jahre später unterzeichnete Don Williams einen Vertrag bei JMI. Clement fühlte sich betrogen, als sich Williams aus der Vereinbarung herausmogelte, um bei ABC zu unterschreiben.

Dann kaufte er das große alte Haus von Pat Boones Großmutter und richtete unter dem Dach ein Studio ein, das er ‘ein Live-Studio, ohne Stellwände und Kopfhörer, ohne Metronom und mit einem Mischpult im Aufnahmeraum mit den Musikern’ nannte. Einiges von seinem Geld steckte er in Spielfilme und verlor eine Menge mit dem Horror-Klassiker ‘Dear Dead Delilah’. Doch er steuerte einen wunderbaren Werbespruch bei – ‘Du zahlst für den ganzen Sitz, doch Du benutzt lediglich die Kante.’

Seit den Siebzigerjahren wurde Clements neu benanntes Cowboy Arms Hotel and Recording Spa zum Hotspot für Nashvilles aus dem Gleichgewicht geratenen Country. Er produzierte ‘Dreaming My Dreams’, das viele für das beste Album von Waylon Jennings halten. 1978 nahm Jack sein erstes Album unter eigenem Namen auf. Er lizenzierte ‘All I Want To Do In Life’ an Elektra. Man mag meinen, ein Mann habe gute Gründe, wenn er 25 Jahre für ein Album braucht. “Es dauerte eine Weile, bis ich mit dem Rhythmus auf dem Album zufrieden war”, erklärte er, ohne mit der Wimper zu zucken. Die LP lieferte Jack Clements Musik in reinster Form mit einem rhythmischen Sound, gestützt auf Liebeslieder, akustische Country Music, den Revolverheld-Balladen, den Outlaw-Hymnen und dem alten über 25 Jahre gereiften Sun-Sound. Es ist ein wohltuend anders klingendes und clever geschneidertes Album. Die meisten Stücke sind herausragend, doch keines kommt an Gone Girl, das später von Johnny Cash aufgegriffen wurde, und den John Prine-Song There She Goes heran. Pride wurde zu einem der vielen verschrobenen Schützlinge und Gefährten, mit denen Clement im Verlauf der Jahre gerne Zeit verbrachte. Die Zahl derjenigen, die im legendären Recording Spa abhängen wollten, wuchs ständig. 1988 schließlich bat die Popband U2 Jack, das Album ‘Rattle And Hum’ zu produzieren. Clement hatte noch nie von der Band gehört, doch er machte es einfach. Jahre später, im Jahre 2005, dokumentierte die Kult-DVD ‘Shakespeare Was A Big George Jones Fan’ das Leben und Wirken des Jack Clement. Viele seiner berühmten Freunde und exklusives, privates Filmmaterial aus dem Cowboy Arms-Archiv sind zu sehen.

Sein zweites eigenes Album mit dem Titel ‘Guess Things Happen That Way’ veröffentlichte Jack 2004 auf Dualtone, eine Demonstration der einzigartigen Welt von Cowboy Jack, ein Projekt, an dem er bis zur letzten Sekunde herum gewerkelt hat, hier einen Gesangspart neu einspielte, dort ein Kazoo hinzufügte und mit der gesamten Reihenfolge bis zum Schluss jonglierte, um schließlich eine Geschichte zu erzählen, wie nur es vermag. Das Album präsentiert die ‘Cowboy’s Ragtime Band’, eine hervorragende Gruppe alter Kumpane, Kollegen und super Musiker. Die Songs bilden eine weitere Kombination aus Clements Klassikern, neu und alt, und Songs, die er liebte, geschrieben von Freunden, die er kannte. Jack sagt: “Ich denke einfach darüber nach, was der Song braucht und wie es gemacht werden müsste. Fast jede erfolgreiche Platte, die ich jemals produziert habe, war deshalb erfolgreich, weil sie anders klang als alles, was man damals kannte. Ich mag die Musikbranche, weil sich niemand an Deine Flops erinnert. Und wenn Du einmal etwas richtig gemacht hast, dann hast Du es ein für alle Mal begriffen.”

Diese Dauerhaftigkeit kann allerdings auch bedrohlich wirken. Ein im Juni 2011 durch eine fehlerhafte Verdrahtung im Dachgeschoß ausgelöster Brand zerstörte Teile des Cowboy Arms und eine Menge von Jacks wertvollstem Besitz. Clement ließ alles wieder aufbauen und hält dort noch immer jeden Tag Hof, zeigt auf seine Gibson Jumbo an der Wand hinter seinem Schreibtisch und erzählt jenen, die es hören wollen, dies sei die Gitarre, auf der er bei Cashs Hitfassung von Big River gespielt habe. Während seiner bewegenden Trauerrede anlässlich von Sam Phillips’ Tod im Jahre 2003 konnte er kaum seine Tränen unterdrücken, als er von einigen nächtlichen Telefonaten berichtete. Nach weiteren zehn Jahren und mittlerweile im neunten Lebensjahrzehnt produziert Jack Clement keine Wellen mehr wie einst. Doch er kann noch immer auf eine bemerkenswerte Karriere zurück blicken und er weiß, dass er Spuren hinterlassen hat. “Es gibt einen Haufen Leute, die mich für ein Genie halten,” erzählte Jack einmal. “Doch das macht mich nicht zum Genie. Man muss schon ziemlich gewieft sein, all die Leute dazu zu bringen, so etwas zu sagen.”

 

 

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