Die Halbstarken – Martin Böttcher – Filmmusik

Deutschland 1956; 97 Minuten
nach einer Erzählung von Will Tremper

MARTIN BÖTTCHER

Die Halbstarken / Endstation Liebe
BCD 16403 AR

https://www.bear-family.de/boettcher-martin-die-halbstarken-endstation-liebe-cd.html

Das moderne Hallenbad gleicht am Samstagnachmittag einem Hexenkessel: eine Horde halbstarker Jugendlicher beherrscht das Bassin – und die Horde wird beherrscht von Freddy Borchert, einem Neunzehnjährigen voll ungestümen Tatendrangs und wenig Hemmungen. Im Hallenbad trifft er seinen jüngeren Bruder Jan, den er nicht mehr gesehen hat, seit er die Tür der elterlichen Wohnung hinter sich zuknallte, um frei zu sein. Frei vor allem von der übertriebenen Strenge und ständigen Nörgelei seines Vaters, die er nicht mehr ertragen zu können glaubte.

Der Vater, ein gewissenhafter Beamter, hatte für den Bruder seiner Frau eine hohe Bürgschaft übernommen; der Schwager machte Bankrott. Seitdem muss der Vater zahlen, zahlen und noch einmal zahlen. Dafür tyrannisiert er die Familie und macht vor allem der Mutter das Leben schwer.

Freddy stellt seinen Bruder der Bande vor. Er schenkt ihm in der Wiedersehensfreude eine Armbanduhr, und Jan gewinnt die Überzeugung, dass Freddy ein gemachter Mann ist, besonders als Freddy ihm später ein Buick-Kabriolett zeigt, das er sich am nächsten Tag kaufen will. Das Buick-Kabriolett steht bei der Tankstelle zum Verkauf, in der Freddy arbeitet.

Als Jan nach Hause kommt, erlebt er wieder eine jener furchtbaren Auseinandersetzungen zwischen Vater und Mutter: wieder dreht es sich um das Geld, das Vater Borchert für den Schwager zahlen muss. Jan beschließt, Freddy um die 3000 Mark zu bitten, die alle Schwierigkeiten beseitigen und der Mutter endlich wieder Frieden bringen würden. Für Freddy, denkt er, müsste das doch eine Kleinigkeit sein.

Indessen trifft sich Freddy mit seiner Bande in einem Espresso, das am gleichen Abend eröffnet werden soll. Da sitzen sie: Freddy, der ‘Boss’, Günther, ein Toto-Ladenangestellter, der Angst hat, etwas zu verpassen vom ‘richtigen Leben’, wenn er hinter seinem Ladentisch hockt. Da ist Kudde, ein gutmütiger, etwas beschränkter Junge mit Bärenkräften, Fahrer einer Schnellwäscherei, der sich bei Freddy wohl fühlt, weil er nur hier ernstgenommen wird. Der Fleischergeselle Willi muss sich austoben; er liebt Krawall und Kraftmeierei, und das findet er bei der Bande. Neben ihm steht Mario, ein Primaner, der ganz in der Phantasiewelt seiner Kriminalromane lebt. Dann sind da Wölfi, ein Knirps, der gern zu den Großen gehören möchte, und Klaus, der schon wegen Fahhraddiebstahls gesessen hat, in der Espressobar eine Stelle fand und nun mit aller Macht von Freddy und der Bande loskommen möchte. Und da ist Sissy – die sechzehnjährige Freundin Freddys, für die er alles tun würde – und auch tut. Am Rande spielen Sissys Freundinnen Bille, Lore und Gaby mit.

Freddy bereitet gerade das ‘größte Ding’ vor, das er je gedreht hat, als Jan zu ihm kommt und ihn um Hilfe bittet. Er lässt Jan im unklaren, worum es geht, aber er nimmt ihn mit und verspricht ihm die 3000 Mark. In einem ‘geliehenen’ Opel-Kapitän verfolgt die Bande Klaus, als er dennoch abends zur Eröffnung des Espressos gehen will, anstatt mit seinen ehemaligen Freunden das Ding zu drehen.

Um Mitternacht rollt die Aktion ab, obwohl einige der Bandenmitglieder im letzten Augenblick weich werden wollen. Ein Postauto wird überfallen, ausgeraubt und die Beute in den Buick von der Tankstelle geladen. Unvorhergesehene Komplikationen stellen sich ein, denn im Grunde ist das Unternehmen kindlich durchdacht und dilettantisch vorbereitet. Fast geht es schief, aber schließlich treffen sie sich alle draußen vor der Stadt, in einem Bootshaus, wo die Mädchen schon warten. “Wir haben’s geschafft!” verspricht Freddy – und dann holt er statt Geld nur Wertlose Postanweisungen aus den Säcken… Die Enttäuschung ist gewaltig. Zum erstenmal rebellieren Freddys Gefolgsleute. Unter diesem Misserfolg seiner kühnen Träume bricht er fast zusammen. Er verliert die Nerven und greift zur Pistole. Nur Jan kann den Rasenden noch einmal beruhigen.

Innerlich ist Freddy zerbrochen, doch von Sissy angetrieben, rafft er sich zu einer Verzweifelungstat auf: er will noch in der gleichen Nacht in die Villa des Espressobesitzers Garezzo einbrechen. Er will beweisen, dass er noch immer der ‘Boss’ ist. Es ist die Flucht nach vorne. Und ein Teil der Bande – bis auf Kudde, der die Nase voll hat, und Klaus, der während des Überfalls schon geflohen ist – folgt Freddy noch einmal.

Jan stellt sich dem Bruder in den Weg und wird niedergeschlagen. Mit dem Wäschereilieferwagen Kuddes folgt er Freddy in die Villa Garezzos. Dort stoßen Sissy und Freddy, während sie durch das Haus schleichen, auf den schlafenden Vater des Espressobesitzers, einen alten Mann. Sie zwingen ihn, das Kennwort des Tresors zu verraten. Freddy will sich mit dem Geld begnügen, doch Sissy rafft auch noch den Familienschmuck an sich. Der alte Mann verliert die Nerven und stürzt sich auf Sissy. Als Freddy ihr helfen will, dringt Jan in das Zimmer ein. Diesen Moment der Verwirrung benutzend, schreit der alte Mann um Hilfe.

Wie gelähmt steht Freddy vor ihm, die Pistole in der Hand. “Schieß doch!” gellt Sissys Schrei. Aber Freddy, der große ‘Gangster’, kann nicht. Und Jan schlägt ihm die Pistole aus der Hand.

Da ergreift Sissy die Waffe und feuert blindlings auf den schreienden alten Mann – führt gleichsam Freddys Tat, vor der er zurückschreckte, bis zur letzten Konsequenz aus.

Dieser Schuss reißt die halbstarke Schale von Freddy; er sieht plötzlich mit Grauen die kalte Raffgier, die Sissy antreibt; er sieht auf einmal den Irrweg, den er an ihrer Seite gegangen ist. Und er stellt sich Sissy in den Weg, als sie fliehen will. Er schlägt sie nieder, obwohl sie in ihrer Todesangst auch ihn anschießt und schwer verletzt, obwohl die Sirenen der Funkwagen – von Nachbarn alarmiert – schon vor dem Haus heulen… – Er schlägt Sissy nieder und geht allein der Polizei entgegen – ein Halbstarker, der sich selbst überwunden hat und bereit ist, die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen.

 

Die Halbstarken

Deutschland 1956; 97 Minuten
nach einer Erzählung von Will Tremper

Darsteller:
Horst Buchholz (Freddy Borchert)
Karin Baal (Sissy Bohl)
Christian Doermer (Jan Borchert)
Joe Herbst (Günther)
Viktoria Von Ballasko (Mutter Borchert)
Paul Wagner (Vater Borchert)
Stanislav Ledinek (Antonio Garezzo)
Eduard Wandrey (Pepe Garezzo)
Friedrich Joloff (Theo)
Hans-Joachim Ketzlin (Willi)
Karlheinz Gaffkus (Kudde)
Mario Ahrens (Mario)
Manfred Hoffmann (Klaus)
Wolfgang Heyer (Wölfi)
Egon Vogel (Prillinger)
sowie
Gudrun Krüger
Ingrid Kirsch
Oskar Lindner
Marion Lebens
Editha Horn

Regie: Georg Tressler
Drehbuch: Will Tremper und Georg Tressler
Kamera: Heinz Pehlke
Schnitt: Wolfgang Flaum
Bauten: Lothar Wloch
Regieassistenz: Benno Hoffmann
Produktionsleitung: Gert Weber
Aufnahmeleitung: Heinz Karchow und Peter Krahe

Eine Wenzel-Lüdecke-Produktion der Inter West Film GmbH
Schwarzweißfilm

Uraufführung: 27.09.1956 (Essen)

Auszeichnungen:
Bundesfilmpreis 1957
Filmpreis in Silber für Georg Tressler als bester Nachwuchsregisseur

About the Author

avatar
Michael 'Ohlly' Ohlhoff
Member of Bear Family since 1987 -- http://www.bear-family.de Hochschule: Universität Bremen Schule: Lange Reihe, Bremen

Be the first to comment on "Die Halbstarken – Martin Böttcher – Filmmusik"

Leave a comment

Your email address will not be published.


*