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Wer war/ist Günter Neumann & seine Insulaner ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr


 GÜNTER NEUMANN UND SEINE INSULANER

Je dreckiger es Berlin jeweils ging - um so schärfer, schlagfertiger, munterer wurden die 'Insulaner'. Günter Neumann, der Erfinder, Vater und geistige Ernährer dieser akustischen Kabarett-Familie, hatte kurz nach dem Kriege in Berlin eine satirisch Zeitschrift herausgegeben: 'Der Insulaner'. Als die Währungsreform kam, das Geld knapp und im Blockade-Berlin Papier ganz unauftreibbar wurde, schulte er die Figuren, die zuvor in Druckerschwärze bestanden hatten, aus der Lesbarkeit in die Hörbarkeit um. Er ging mit ihnen über den Äther. Er formte im RIAS eine kleine, pfiffige, aggressive, gutgelaunte, monatliche, ungemein berlinische Radio-Schau, in der verschiedenartige Figuren des Berlinischen auftraten, und in der er bitterernste Politik mit Augenzwinkern, Zeitkritik, mit der Überlegenheit des Satirikers und der lachenden Souveränität des echten Humoristen machte. 

So etwas hatte die deutsche Welt tatsächlich noch nicht gehört. Was Neumann, als Komponist ebenso schöpferisch wie an der Schreibmaschine, da trieb, war neu. Er stellt sich eine Handvoll fester, immer wiederkehrender Gestalten hin: die Klatschweiber mitten auf dem Kurfürstendamm, den telefonierenden Herrn Kummer, den Pankower Schulungsleiter und 'Funkzenär'. Es gab in jeder dieser Radio-Sendungen einen Platz für das kesse oder mahnende politische Chanson. Es gab das aktuelle, musikalisch wie textlich erfindungsreiche Quod-libet, in dem er heiss Aktuelles mit musikalischen Zitaten unterlegte, daß daraus ein doppelter Spaß entstand. Als Erkennungsmarke am Anfang: das Insulanerlied, in dem die weltpolitischen Robinsons hoffen, daß aus ihrer 'Insel' wieder 'n schönes Festland wird; und als Schlußpunkt und flotter Rausschmeißer die jeweils neuesten Strophen zu dem optimistischen und selbstbewußten Refrain: Seh'n Se, das ist Berlin!

 Das Ganze ist tatsächlich bestes Berlin.

Zehn Jahre lang ist die gute Laune dieser Insulaner-Familie prompt über den Äther in Millionen Häuser gegangen. Das Bezeichnende und zugleich Einzigartige daran: dies blieb eine der ganz wenigen gesamtdeutschen Belustigungen und Rückenstärkungen. 'Die Insulaner' wurden von West-Berlin aus nicht nur an Ort und Stelle und später in steigendem Maße im Westen Deutschlands gehört, - viel wichtiger und ertragreicher war, daß man hinter der Elbe, daß man im Schatten des Eisernen Vorhangs fast in jedem Hause die Ohren spitzte, wenn eine neue Insulanersendung fällig wurde.

Die Figuren dieser prompten Hör-Schau, die ihre aktuellen Wendungen, ihre entlarvenden Formulierungen, ihr kratzender Witz und ihre vernichtenden Prägungen, ihr ganzer optimistischer Wuppdich haben nicht wenig dazu beigetragen, Augenöffner zu sein, Menschen, die gewisslich sonst wenig Grund zum Lachen hatten, lachend Wahrheiten sehen zu lassen, ihnen Mut zu machen und unter ihnen gute Laune in einem sonst bitter trübsinnig gewordenen Teil Deutschlands als eine Art Politikum zu verbreiten.

Insofern kommt den 'Insulanern' in den zehn Jahren, die sie nunmehr ihr menschlich-musikalisch-aktuelles Wesen getrieben haben, eine Bedeutung zu, die weit über das hinausgeht, was man gemeinhin als 'Kabarett' bezeichnet. Neumann und seine muntere Truppe blieben immer hart am Ball. Sie schlagen nach links und nach rechts, nach Westen und nach Osten. Oft genug hat Neumann abends in Text und Musik schon verarbeitet, glossiert und auf die schlagende Formel gebracht, was am Morgen erst passiert war. Die 'Insulaner' blieben immer zeitungsfrisch. Grünspan konnten ihre Pointen gar nicht ansetzen. Sie bezogen sich ja direkt und schnell auf das Neueste, Aktuellste.

Wo immer es brannte, waren sie als eine Art Feuerwehr des gesunden Menschenverstandes zur Stelle. Wo immer eine Suppe öffentlich gekocht wurde, gaben sie ihren Senf dazu. Meist machten sie sie dadurch erst schmackhaft, würzig, genießbar.

Wovon die Väter des 'Brettels' in Deutschland, die Wolzogen, Wedekind, Nelson, Holländer und Tucholsky, nur geträumt haben, ist Günter Neumann gelungen. Er hat das Kabarett zu einer wirklichen Kunst, zu einem pfiffigen Instrument der Meinungsbildung, zu einer praktikablen, unüberhörbaren Stimme der Gegenwart gemacht. Er hat lachend Ernstes praktiziert. Er hat - eine Art doppelt begabter Schulmeister und Eulenspiegel - seine Lektionen so schmackhaft gemacht, daß ganze Hörermassen insulaner-süchtig wurden. Die Figuren, die er da in variierender Wiederkehr prägte, sind alle imaginäre Stadt-Erscheinungen; sind feste Typen geworden - wie einst Nante, der Berliner Eckensteher oder der sagenhafte Schusterjunge, der noch grün hinter den Ohren, es aber deshalb auch um so dicker hinter denselben hatte.

Auszug aus dem Booklet BCD16028 - Günter Neumann & Insulaner Günter Neumann und seine Insulaner
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Günter Neumann & Insulaner: Günter Neumann und seine Insulaner (8-CD)
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