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Wer war/ist Friedrich Holländer ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr


 

Zwischen dem Woher und dem Wohin

 

Friedrich Hollaender? – Ja, kennen wir doch... Diese tief- und hintersinnige Komik, die blitzgescheiten Pointen, die knisternde funkensprühende Ironie und die umwerfende Musik, die Wort und Witz auf den Punkt bringt. Ein Tausendsassa des Kabaretts und des Tonfilms.

Nur ein paar Anfangstöne braucht einer zu summen. Aha – hat man schon im Ohr ... von Kopf bis Fuß... – Hollaender selbstverständlich, ein ganz Großer, wenn auch klein von Wuchs, d e r „Große Kleine Friedrich“ eben. Wer jedoch glaubt, ihn zur Genüge zu kennen, der irrt.

In diesen bislang unveröffentlichten privaten Klavieraufnahmen Hollaenders begegnet uns ein hinreißender Pianist und Interpret eigener Werke, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Die tiefe Tragik im Leben Hollaenders, der sich auf dem Hintergrund seiner phänomenalen Begabung und Lebensleistung vergeblich um späte Erfolge mühte, wird auf diese Weise greifbar, rührt an und führt uns zur Entdeckung neuer Seiten eines vielschichtigen Künstlers und zu dem Respekt, der Hollaender wirklich gebührt.

Den Namen Friedrich Hollaender verbindet man mit frechen, witzigen, erotischen Chansons, aber kaum mit größeren dramatischen Werken. Hollaender gilt ja als der große Geist des literarischen Kabaretts der zwanziger Jahre in Berlin; dort schrieb er die Musik – und oft auch die Texte – zu hinreißenden, konzentrierten Charakterdramen in nur drei Strophen, mit denen Stars wie Blandine Ebinger, Curt Bois oder Annemarie Hase brillierten. Man denke an Meisterstücke wie „Das Groschenlied“, „Ich mache alles mit den Beinen“ oder „Die zersägte Dame“. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg schusterte er munter weiter mit unvergesslichen Liedern wie „Stroganoff“ und „Circe“ – letzterer Titel gesungen von der großartigen Hanne Wieder. Und dann wäre vor allem noch des großen Tonfilmkomponisten zu gedenken, dessen Filmsongs zu Evergreens geworden sind: „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ oder sein größter Hit „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, von Marlene Dietrich im „Blauen Engel“ gesungen.

Die abendfüllenden Werke des „Großen Kleinen Friedrich“ sind jedoch so gut wie unbekannt. Dass er sich auch dem Musiktheater gewidmet hat, ist gar nicht so verwunderlich, denn sein Vater Victor war ja einer der Operettenkönige in Berlin um 1900 neben Kollegen wie Paul Lincke und Walter Kollo. Obwohl das Wunderkind Friedrich zuerst vorbestimmt schien für eine Karriere als klassischer Komponist, war es doch das Theater mit seiner populären Unterhaltungsmusik, die sein Leben ausmachen sollte – sei es in der kleinen oder in der großen Form.

Schon als Vierzehnjähriger sah er seine erste „Klein-Operette“ mit dem kindlichen Titel „Bumbo-Mumbo“ in Berlin aufgeführt und 1915 steuerte er eine Einlage für eine Operette seines Vaters bei; im gleichen Jahr spielte man im Residenz-Theater Berlin sein Märchenspiel „Es waren einmal zwei Geschwister“.[1] Obwohl er in den Zwanziger Jahren durch seine flotten Schlager und bissigen Satiren für die Kleinkunstbühne bekannt wurde, komponierte er auch Theatermusiken – etwa zu „Die Wupper“ von Else Lasker-Schüler und der Pantomime „Die Kaiserin von Neufundland“ von Frank Wedekind – beide Partituren sind leider verschollen – und eben Operetten. Doch trotz seiner melodischen Begabung und humorvollen Leichtigkeit glückten ihm diese Werke nicht besonders: Die Operette „Pompeji“ aus dem Jahr 1922 schlug keine Wellen, und „Die fromme Helene“ zur Silvesterfeier 1923/24 im Berliner Großen Schauspielhaus wurde – trotz einer angenehmen Musik, vor allem wegen des albernen Librettos – zur Riesenkatastrophe; Jahrzehnte später erinnerte sich der Komponist mit schauerlicher Lust in seinen Memoiren an das Pfeifkonzert im Publikum. 

Das Getöse war so ohrenbetäubend, daß die Sätze auf der Bühne wie Stummfilm wirkten. Die Schauspieler, auf dünnen Fäden jonglierend, fielen aus jeglicher Disziplin. Ausgeliefert der johlenden Übermacht, schlugen sie sich – Gott sei’s geklagt, und wer will sie verurteilen? –

auf die Gegenseite, die stärkere –, machten böse Miene zum bösen Spiel, lachten ihr eigenes Stück aus, verrieten es, verkauften es, für dreißig Silberlinge, das Stück und [seine] Väter.

Anfang der Dreißiger Jahre bekam Hollaender, schon als Pianist, Dirigent, Komponist und Texter bekannt, seine erste Chance als Filmregisseur, und dieser erste Versuch „Ich und die Kaiserin“ mit Lilian Harvey und Heinz Rühmann war ganz der klassischen Operette verpflichtet – spielen doch die Melodien von Jacques Offenbach und eine Inszenierung seiner „Großherzogin von Gerolstein“ eine Schlüsselrolle in der Handlung.

Man siehe die Untersuchung von Bernhard Streerath, „Friedrich Hollaender und das literarische Chanson im Berlin der 1920er Jahre“, Magisterarbeit Köln, 1994, S. 22-26.

Friedrich Hollaender, Von Kopf bis Fuß: Mein Leben mit Text und Musik, hrsg. u. kommentiert von Volker Kühn (Bonn: Wiedle, 1996), S. 195-96. Die beiden Operetten sind verschollen; aus „Pompeji“ bleiben nur zwei Notenausgaben, aus „Helene“ nur ein Textbuch der Gesänge und ein paar Notendrucke, die wohl nie in den Handel gekommen sind. Eins der „Pompeji“-Lieder wurde von Jody Karin Applebaum auf der CD Helicon 1033 aufgenommen.

Auszug aus dem Booklet BCD16052 - Friedrich Hollaender Zwischen dem Woher und Wohin
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Friedrich Hollaender: Zwischen dem Woher und Wohin
Art-Nr.: BCD16052
 

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Friedrich Hollaender: Wenn ich mir was wünschen dürfte (8-CD)
Art-Nr.: BCD16009
 

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