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Wer war/ist Liselotte Malkowsky ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr


 Liebe Lilo...

...ich habe nie den Tag vergessen, an dem ich Dich zum ersten Mal sah. Es war in Dortmund, an einem Dienstag, am 1. Dezember 1953. Ich hatte den Konfirmandenunterricht geschwänzt. Denn im damaligen 'Café Lampion' am Burgtor sollte René Carol singen. Er kam zwar mit seinem schweren amerikanischen Strassenkreuzer in die Hansastrasse gerollt. Doch gesungen hat er, Du wirst Dich erinnern, an diesem Tag nicht. Ich hatte in mein Autogrammheft viele Bildchen aus Plattenprospekten geklebt. Auf der Seite neben dem René-Carol-Bild prangte Dein Foto, reiner Zufall. Als sein Chrysler vor das Café rollte und er die Scheibe elektrisch mit einem Handgriff auf die Mittelkonsole herunterliess - das war für mich völlig neu -, reichte ich ihm mein Büchlein mit der Bitte um ein Autogramm ins Wageninnere. "Erst Du", lachte René und reichte Dir mein Heft. "Was soll ich schreiben?", fragtest Du mich mit Deiner dunklen Stimme, aber daran wirst Du Dich nicht erinnern. "Für Dieter, bitte", stammelte ich verlegen. Und dann sah ich Dich bewusst an, sah Deine herrlichen roten Haare, Dein rätselhaftes Gesicht, Deine knallrot lackierten Fingernägel, die mit seinem Füllhalter Deinen Namen in mein Buch kritzelten. Lilo, ich habe es heute noch.

 Das zweite Mal, vielleicht erinnerst Du Dich, sahen wir uns im Juni 1954. Wieder in Dortmund. René Carol hatte im damaligen 'Allotria' ein Engagement und wohnte in einer kleinen Pension auf der Brückstrasse. 'Haus Nölle' hiess der Laden. Sein Strassenkreuzer parkte immer ein paar Häuser weiter auf einem kleinen Parkplatz. Ich kam nach der Schule dort oft vorbei. An besagtem Juni-Vormittag war irgendetwas anders mit dem Wagen: Hinter dem Fenster am Beifahrersitz schimmerten rote Haare. Ich war neugierig, ich ahnte, dass Du es warst. Nach zehn Minuten hattest Du mich bemerkt, öffnetest langsam die Tür und kamst auf mich zu. "Kennen Sie Herrn Carol?", fragtest Du mich. Mir wurde ganz anders. 'Sie' hast Du zu mir gesagt, dem knapp Vierzehnjährigen in seinen kurzen Lederhosen. "Ja", habe ich geantwortet. "Woher?", bohrtest Du weiter. "Er singt ja schon eine ganze Weile hier, daher kenne ich ihn und ich habe für ihn, den ich sehr verehre, auch schon einige kleine Besorgungen gemacht. Aber bitte, Frau Malkowsky, sagen Sie nicht 'Sie' zu mir, sondern 'Du' und Dieter", bat ich Dich. "Klar, Dieter, kein Problem, meine Freunde nennen mich auch einfach 'Lilo'", lachtest Du.

 Beim weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass Du am frühen Morgen in Dortmund angekommen warst und René Carol überraschen wolltest. Das "Allotria" war schon zu, Du wusstest nicht, wo er wohnte, aber Du wusstest, dass er seinen Wagen meist unverschlossen irgendwo in der Nähe seines Auftrittsortes abstellte. Du hast ihn gefunden und Dich wartend reingesetzt. Ich habe Dir gesagt, dass ich wüsste, wo er wohnt. Habe mich angeboten, zu ihm zu gehen. Du hast mir auf einem kleinen Zettel eine Botschaft für ihn geschrieben. Hast dabei eine Melodie gesummt und mir gesagt, "das ist mein Lieblingslied". Ich kannte die Melodie nicht, Du hast es mir vorgesungen. "Marju, grüsse mir mein St.Pauli" ist das, hast Du gesagt, "aber Du kannst es nicht kennen, das gibt es noch nicht auf Schallplatte".

 Erinnerst Du Dich, als ich mit einem 20-Mark-Schein zurückkam, nachdem ich den Zettel dem Empfänger gebracht hatte. "Was hat er gesagt?", hast Du mich gefragt. "Geh mit ihr zu 'Pielkens Fritz' frühstücken, aber kauf' ihr keinen Schnaps und kein Bier", hatte René Carol mir aufgetragen. Ich sagte es Dir. Du lachtest. "Der gute Gerd macht sich Sorgen um mich", sagtest Du leise. Ich verstand den Sinn nicht, weder von René's Worten, noch von Deinen. Und dann haben wir gefrühstückt, d.h., für mich war es eher ein Mittagessen, denn es war schon kurz nach 12 Uhr. Mettbrötchen und Frikadellen haben wir gegessen. Und Cola dazu getrunken, obwohl Du dem dicken Wirt weismachen wolltest, dass dazu viel besser ein Bier schmecken würde. Aber ich blieb hart, war richtig stolz auf mich, dass ich mich nicht von Dir in meinem Versprechen René Carol gegenüber habe beeinflussen lassen.

 Das dritte Mal sah ich Dich an einem wunderschönen Oktobersamstag im Herbst 1954. Genau war es am 16. Oktober. Der NWDR Hamburg übertrug einen 'Bunten Abend' aus dem Goldsaal der Westfalenhalle in Dortmund. Ich war schon nachmittags bei den Proben dabei, hörte Rupert Glawitsch 'schmelzen' und bestaunte Gerhard Gregors Fingerfertigkeiten auf seiner Orgel. Und dann kamst Du. Strahlend schön, die roten Haare zu einer modischen Hochfrisur hochgesteckt. Deine männlichen Begleiter wurden in meinen Augen neben Dir zu hässlichen Zwergen. Du legtest Deinen Mantel auf einen Stuhl in der ersten Reihe, begrüsstest Kapellmeister Franz Thon, gingst zum Mikrophon, und sangst. Das ganze Jahr lang blüh'n keine Rosen aus dem gerade abgedrehten Film 'Grosse Starparade'. Du sangst das Lied nur einmal, alle waren zufrieden. Als Du von der Bühne kamst, sahst Du mich. "Hallo, Dieter, auch hier? Wie geht's?", fragtest Du. Ich war stolz. Stolz, dass Du mich begrüsst hast, und stolz, dass Du Dir meinen Namen gemerkt hattest. Unser kurzes Gespräch war belanglos, für mich trotzdem unter die Haut gehend. Dann gingst Du mit Deinen Begleitern nach draussen, ich ging mit. Ihr seid zu einem dunklen Opel-Kapitän gegangen, Du hast Deinen Mantel reingelegt, denn die Sonne schien warm. "Gehen wir uns noch ein bisschen die Füsse vertreten, wir alle", sagtest Du und sahst mich dabei an. Diesen Blick habe ich nie vergessen. Dann gingen wir auf die Rosenterrassen, bis der Blick frei auf das nahe Sauerland war. "Herrlich, fast wie Blankenese, nur die Elbe fehlt", entfuhr es Dir. Ich spürte, wie sehr Du Hamburg lieben musstest. Ich beneidete Dich um 'Dein Hamburg', denn damals wusste ich noch nicht, dass Du ja in Hannover geboren bist.

 Das letzte Mal gesehen habe ich Dich, liebe Lilo, am 26. August 1955 in Düsseldorf. Du warst einer der Stars, die Deine Plattenfirma im Rahmen der grossen Funkausstellung für die drei Tage im Apollo-Theater stattfindende 'Polydor Starparade' aufgeboten hatte. Du warst nach der Pause mit Deinem Auftritt an der Reihe, verriet mir das Programm. Ich sass gespannt auf meinem Platz. Das Orchester Kurt Edelhagen intonierte das Vorspiel von Deinem neuesten Schlager Fang' keine Liebe mit Matrosen an. Doch wer nicht kam, warst Du. Als es die Band ein zweites Mal versuchte, kamen ein paar Lacher aus dem Publikum. Doch dann kamst Du, um Entschuldigung lächelnd, gingst ans Mikrophon und sangst so schön, wie ich Dich noch nie gehört hatte. Leider hast Du dann wohl schon während des Restprogramms das Theater verlassen, denn beim Finale warst Du nicht mehr dabei. Auch nach der Vorstellung habe ich Dich nicht mehr gesehen, obwohl ich fast alle Kneipen rund um das Theater abgegrast habe, auch die 'Künstlerklause', wo die meisten Stars sich nach dem Auftritt getroffen hatten.

 Danach habe ich Dich nie mehr gesehen. Aber ich habe Deinen Lebensweg verfolgt, habe jedes Deiner Lieder gekannt, die Du später aufgenommen hast. Genau wie ich Deine früheren Erfolge alle auswendig konnte. Jedes Deiner Lieder ist für mich, wie sicherlich für viele andere Fans auch, mit einer bestimmten Erinnerung, einem kleinen Erlebnis verbunden. Dieses aber jetzt auszuplaudern wäre sicherlich zu persönlich, stimmt's?

 Ich kann Dir, liebe Lilo, verraten, dass ich beim Lesen der Zusammenstellung der Lieder auf dieser CD die Melodien sofort im Kopf und die Texte auf den Lippen hatte, ganz ehrlich.

 Gerade fällt mir noch ein Interview ein, das Du im damaligen Deutschlandsender in der DDR gegeben hast. Du hast von Hamburg, den Elbbrücken und den Landungsbrücken erzählt, und dann lief Dein Lied Der alte Hein, das der 'Schräge Otto' Fritz Schulz-Reichel für Dich geschrieben hatte. Ganz geglaubt habe ich Dir die Behauptung, nach den Landungsbrücken sofort nach Hause zu fahren nicht. Da hast Du doch ein wenig geflunkert, oder lagen wirklich keine Kneipen mehr am Weg?

 Zum Stichwort Hamburg, liebe Lilo, fällt mir noch ein Lied von Dir ein, das ich sehr mag. Hamburger Jung heisst es und wurde von Heinz Woezel und Heinz Mihm geschrieben. Du hast es beim NDR für den Funk aufgenommen, es wurde sehr oft im Radio gespielt. Ich wüsste gern, warum dieses Lied nie auf Schallplatten veröffentlicht wurde. Weisst Du es? Ach ja, selbst wenn Du es weisst, Du kannst es mir ja nicht mehr sagen.

 Zu meinem 17. Geburtstag bekam ich Deine Single In Santa Cruz steht ein Haus mit der Rückseite Du fehlst mir all' die Stunden von Freunden geschenkt, die heute noch einen Ehrenplatz in meiner Sammlung hat.

 Zurück zu Deinen Liedern: Ich mag den frechen Text von Ausgerechnet Du, in dem Radioquizmaster Just Scheu gereimt hatte Du hast mir gerade noch zu meinem Glück gefehlt. Ich schliesse die Augen, wenn Du singst Durch Paris, da fliesst die Seine. Weisst Du, dass Lale Andersen als 'Nicola Wilke' den Text dieses Liedes geschrieben hat? Ich mag das swingende Ruggediguh, das von einem turtelnden Taubenpärchen erzählt. Ich glaube Dir, wenn Du klagst Ein Zigeuner ist mein Herz.

 Es gehörte 1951 sicher viel Mut dazu, mit dem Lied In der Cafeteria von Milano gleich gegen zwei männliche Konkurrenten anzutreten. Aber Du hast Dich gegen Gerhard Wendland und Vico Torriani beachtlich gut behauptet. Ich kann Deinen Wunsch Ach, könnt' ich einmal an der Reling steh'n sehr gut nachfühlen. Denn als kleiner Junge wollte ich zunächst Lokomotivführer und später nur noch Kapitän werden.

 Dann hätte in meiner Koje ganz bestimmt ein Bild von Dir gehangen, wenn ich im Takt der wogenden Wellen über die Meere geschippert wäre und leise Das Meer gesummt hätte Bis ans Ende der Welt. Wenn dieser Kindertraum wahr geworden wäre, hätte ich vor jeder Reise auch zweifelnd gefragt "Wirst Du mich auch nicht vergessen".

 Das Lied Amigo habe ich zum ersten Mal im Kino gehört. 'Die Stimme des Anderen' hiess der Film, zu dem Michael Jary die Musik geschrieben hatte. Warum ist eigentlich das Chanson Egal, Chéri niemals auf Platte erschienen? Hat es Herrn Haertel nicht gefallen, für den es als Probeaufnahme gedacht war?

 Aus dem Lautsprecher des kleinen Radios, das meine Eltern 1952, mit magischem Auge und UKW, wie damals üblich, auf 10-Mark-Monatsraten gekauft hatten, hörte ich zum ersten Mal Wenn ein Zigeuner weint und auch Wie sich die Zeiger weiterdrehn, das mir vorher schon als Meet Mr. Callaghan von Les Paul bekannt war.

 Hinter dem Pseudonym 'Bob Parker' versteckte sich 1955 Bert Kaempfert als Orchesterleiter bei Deinem Lied Ein Schiff kommt übers Meer, weisst Du noch warum? Vielleicht fand er 'Parker' besser als 'Kaempfert'? Ebenfalls aus 1955 ist Dein Lied Der alte Hein, das Fritz Schulz-Reichel komponiert hat und das inhaltlich an Deinen ersten grossen Erfolg Der alte Seemann kann nachts nicht schlafen erinnert.

 So, liebe Lilo, langsam wird es Zeit, Das Lied vom Abschied anzustimmen. Du weisst ja, Alles steht in den Sternen, daran hast Du immer geglaubt. Du hast auch geglaubt, dass das Lied Alter Kapitän, das Gerhard Winkler komponierte und dessen Text von Walter Rothenburg stammt, der für Freddy den Millionen-Hit Junge, komm bald wieder getextet hat, ein grosser Hit werden würde. Aber die Sterne meinten es nicht gut mit Dir, Lilo... Auch Ernst Bader, der Texter von Freddy's erstem Millionen-Hit Heimweh, liess sich für Dich Reime einfallen. Wohin Du auch geh'n wirst schrieb er für Dich. Weisst Du eigentlich, dass die Musik von Deinem Lied Jenny-Jenny-Joe von einem der legendären 'Teddies' des Schweizer Bandleaders Teddy Stauffer, nämlich von Walter Dobschinski, stammt?

 Eine letzte Begebenheit fällt mir noch ein, ehe ich ganz bestimmt Schluss mache: Heinz Quermann, 'Schlagerpapst'in der früheren DDR, hat sich bitter darüber beklagt, dass Du ihn einmal auf's Kreuz gelegt hast. Du warst zu Gast in seiner Sendung 'Da lacht der Bär'. Heinz Quermann hatte immer allen Mitarbeitern streng verboten, Gagen vor dem Auftritt auszuzahlen. Du aber hast Frau Quermann herumgekriegt, Dir 100 Mark Vorschuss zu geben, erinnerst Du Dich? Die 100 Mark hast Du dann, bestimmt nicht allein, in Hochprozentiges umgesetzt und hast dann 'unter Strom' im Friedrichstadtpalast auf der Bühne gestanden, stimmt das? Schäm Dich!

 Man sagt adieu wenn man weiss, dass es kein Wiedersehen gibt. Als ich 1965 in der Bild-Zeitung las, dass Du am 16. Februar in Hannover gestorben bist, habe ich geheult. Aus zwei Gründen. Aus Trauer und aus Wut. Trauer über Deinen viel zu frühen Tod. Und Wut darüber, dass besagtes Boulevardblatt Dir lediglich zehn Zeilen widmete, die Dich obendrein verächtlich machten: In einem Obdachlosenheim wärest Du als ehemalige Schlagersängerin gestorben, die mit Der alte Seemann kann nachts nicht schlafen früher sogar erfolgreich war...

 Liebe Lilo, Deine vielen Fans haben Dich nicht vergessen und Deine Lieder auch nicht, denn in ihnen lebst Du für uns weiter. Für Deine treuen Verehrerinnen und Verehrer und für Deinen

 

HORST-DIETER CZEMBOR
Schwerte, im Juni 1997

Auszug aus dem Booklet BCD16134 - Liselotte Malkowsky Alles steht in den Sternen
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Liselotte Malkowsky: Alles steht in den Sternen
Art-Nr.: BCD16134
 

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