Wer war/ist Necronomicon ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr

Necronomicon

Das 'Necronomicon' ist ein fiktives Zauberbuch mit magischem Wissen, das Anfang des 20. Jahrhunderts vom US- Horror-Schriftsteller H.P. Lovecraft erdacht wurde. Das Buch ist ein Teil des "Cthulhu-Mythos", mit erdachten Personen, Orten, Wesenheiten und Geschichten, z.B. über interstellare Wesen (die "Alten", die "Großen Alten") mit übernatürlichen Kräften, die aus weit entfernten Teilen der Galaxis stammten und keinen uns bekannten Naturgesetzen unterlagen. Nach menschlichen Maßstäben verfügten sie über eine gottgleiche Macht und schienen unsterblich zu sein. Die Band Necronomicon repräsentierte "einige der My- stiker und Magier des frühen 1970er Krautrock, wie sie den Idealismus der Hippie-Ära der späten 60er aufgegriffen und ihn durch eine 'German Angst' gefiltert hatten, die mehr mit den Punks der späten 70er und neuerer Bewe- gungen wie Grunge zu tun hatte" (ALLMUSIC).


Necronomicon wurde im Sommer 1970 im nordrhein-westfälischen Aachen von Walter Sturm, Norbert Breuer und Gerd Libber gegründet. Kurz darauf ergänzte Schlagzeuger Bernhard die Gruppe und Keyboar- der Dickmann komplettierte die Band etwas später zum Quintett. Die Aachener Band war eine der wenigen progressiven Gruppen, die es schon in den 70er Jahren wagten, ihre Songs in deutscher Sprache vorzutra- gen. Charakteristisch für den Musikstil von Necronomicon waren Einflüsse aus Klassik, Jazz, Folklore und Rock. Der mehrstimmige Gesang wurde als wichtiges Klangelement eingesetzt. Die Songs waren typisch für die 70er Jahre – vielschichtig, mit Stil- und Tempowechseln, mehrstimmigen Gitarren- und Orgelpassagen, aber auch Platz für Improvisationen.

Der Bandname sollte ganz bewußt nicht für Esoterik und die von Lovecraft beschriebenen "fiktiven kosmischen Greuel" stehen, sondern die Gruppe wollte mit ihrer Musik auf ganz handfeste reale Abscheulichkeiten hinweisen. 1971 übernahm Detlev Hakenbeck die Position des Bassisten und wurde ein Jahr später von Bernhard Hocks abge- löst. In dieser Anfangszeit hatte Necronomicon noch Stücke von John Mayall, Pink Floyd, Ten Years After, Black Sabbath, Uriah Heep und Deep Purple im Programm und baute "ein reich- haltiges Live-Repertoire von Heavy-Progressive-Rock- Songs mit langen, komplexen Strukturen und Arrangements auf" (ALLMUSIC).

Ihre ersten eigenen Songs waren englisch gesungen. Die Gruppe entschloß sich, eine LP herauszubringen, die 'Hi- story Of A Planet' heißen sollte. Während dieser Planungs- zeit wechselten sie zu deutschen Texten, geschrieben von Norbert Breuer, "um auf die Dinge aufmerksam zu machen, die ihnen unter den Nägeln brannten: gedankenlose Umwelt- zerstörung, Überbevölkerung, Ausbeutung, Luftverschmutzung, dem atomaren Wettrüsten, der Unterdrückung von Frauen, Unge- rechtigkeit und Gewalt" (HOMEPAGE).

Im Frühjahr 1972 nahmen Necronomicon in einem kleinen Studio im niederländischen Kerkrade sechs Titel für eine LP auf, die sie in einer Auflage von 500 Stück anfertigen ließen. Der Titel 'Tips zum Selbst- mord' hatte nichts mit Anleitungen zu tun, wie man individuell das eigene Leben beenden konnte, sondern bezog sich auf die Verwüstung der Erde durch den Menschen, der sich damit die eigenen Lebensgrundlagen entzog. "Mit überbordenden Acid-Gitarrenriffs und vielen psychedelischen Momenten, die an Pink Floyd erinner- ten, war die Musik der Gruppe düster und kraftvoll" (ZITTY). Es war "eine der besten und ungewöhnlichsten deut- schen Platten der frühen 70er Jahre. Wahrscheinlich wäre das die Musik, die Wagner geschrieben hätte, wenn er 1945 noch gelebt und die Bombenangriffe auf Deutschland miterlebt hätte" (COSMIC DREAMS).


Die selbstgeklebte Hülle ließ sich fünffach zu einem Kreuz aufklappen. Auf dem Label der Platte stand in schwarzer Schrift "Best Prehodi F 60.634". Das war eine Band-Erfindung und stand für die Anfangsbuch- staben der Nachnamen der Bandmitglieder.
1973 kam Keyboarder Dieter Ose für Fistus Dickmann, und den Baß übernahm wieder Mitgründer Gerd Libber. Im selben Jahr arbeiteten Necronomicon an neuem Material. Einige der Titel waren fast eine Stunde lang und fast unmöglich live zu reproduzieren. 1976 kam es zur ersten Auflösung von Necronomicon. Doch Walter Sturm, Harald Bernhard und Dieter Ose entschieden letztendlich, das Bandthema nicht zu schließen und machten mit dem neuen Bassisten Bernd Oppitz unverändert bis 1981 weiter, nahmen aber kein neues Studio-Material mehr auf.


Ab Ende 2010 gab es Necronomicon wieder – in nahezu Originalbesetzung (Harald Bernhard, Norbert Breuer, Gerd Libber, Walter Sturm). Das Konzert für das 2016er Album 'Live In Concert 1973' war erst 2014 im Archiv des Aachener Ludwig-Forums für moderne Kunst wiederentdeckt worden. Die Qualität der Auf- nahme war überraschend gut. Neben zwei bis dahin verschollenen Tracks, "die wir damals und danach nie wieder aufgeführt haben, enthielt der Mitschnitt alle Songs von 'Tips zum Selbstmord' aber in meist längeren Ver- sionen" (BANDPAGE). Necronomicon stellten das Album bei einem ausverkauften Konzert im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen einem begeisterten Publikum vor.

 

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Burghard Rausch

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Weitere Informationen zu Necronomicon auf de.Wikipedia.org

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