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Os Mundi Sturmflut (CD)

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(Garden Of Delights) 7 tracks Os Mundi aus Berlin wurden durch ihre beiden LPs auf Metronome... mehr

Os Mundi: Sturmflut (CD)

(Garden Of Delights) 7 tracks
Os Mundi aus Berlin wurden durch ihre beiden LPs auf Metronome und Brain bekannt. 1975, als sie sich schon fast in Auflösung befanden, machte ihr Gitarrist Udo Arndt ein Praktikum im Studio eines Rundfunksenders und lud zu Übungszwecken seine Freunde dorthin ein, um unentgeltlich mit ihnen Aufnahmen zu machen. Die fanden in wechselnden losen Besetzungen statt, zusammen mit Gastmusikern etwa von Agitation Free.
Gespielt wurde eher weichgespülter Jazzrock ohne Gesang, der sehr sauber klingt und nun erstmals veröffentlicht wurde.
Dazu kommen auf der CD drei sonstige Studio-Aufnahmen und zwei RIAS-Stücke.
Im Heftchen wird die Geschichte von Os Mundi ausführlich ausgebreitet, mit reichlich Bildern, genauen Diskographien, Cover-Repros usw. Sozusagen das noch fehlende Steinchen im Werkverzeichnis der Gruppe.

Artikeleigenschaften von Os Mundi: Sturmflut (CD)

Os Mundi - Sturmflut (CD) CD 1
01 Ich Gehe Os Mundi
02 Deef Bass Os Mundi
03 Deef Bass Os Mundi
04 Waber Waber Os Mundi
05 Sturmflut Os Mundi
06 En Suite Os Mundi
07 Riding On The Road Os Mundi
Os Mundi Die "erste Berliner Rock-Big-Band" (SELBSTDARSTELLUNG) Os Mundi, die später zeitweise... mehr
"Os Mundi"

Os Mundi

Die "erste Berliner Rock-Big-Band" (SELBSTDARSTELLUNG) Os Mundi, die später zeitweise aus bis zu 12 Musikern bestehen konnte, war eine der "wichtigsten Schlüsselbands der frühen Berliner Krautrock-Szene" (COSMIC EGG) und entstand Ende 1969/70 aus zwei Schülerbands. Zuerst als Udo Arndt & die Safebreakers (mit Arndt, Villian, Busse u.a.), die es immerhin 1966 zu der Single Hey Girl (im Original von den Small Faces)/Patsy Girl auf dem DECCA-Label brachten und die auch im Roger-Fritz-Kinofilm 'Mädchen Mädchen' (1967, mit Helga Anders) zu hören war. Aus den Safebreakers gingen dann 1968 Orange Surprise (Arndt, Busse, Hartmut Seidel (b), David V. Kalckreuth (org) u.a.) hervor, die bereits eigenes Material schrieben und auch Filmmusik für Christoph Busse produzierten. Aus den Initialen von Orange Surprise – OS –, entstand der neue Name Os Mundi, lateinisch für "Ursprung der Welt". Die erste Besetzung bestand aus aus Udo Arndt, Christoph Busse, Dietrich Markgraf und Andreas Villian.

Da ihnen die englische Sprache zu banal erschien und deutsche Texte mit dem Schlager-Pop-Image behaftet waren, entschied sich die Gruppe lateinische Texte zu verwenden. Die Gruppe versuchte, eine katholische Messe in ein Psychedelic/Heavy-Rock-Happening umzuwandeln. Vor allem "die lateinischen Texte waren charakteristisch und einzigartig" (PROGARCHIVES). Gleich das Debüt 'Latin Mass' (1970) war "in der Tat intensive und radikale Rockmusik" (COSMIC EGG) mit "psychedelischen und progressiven Tendenzen" (PROG- 23 ARCHIVES). Danach erweiterten Wolfgang 'Buddy' Mandler (dr, perc, voc) und Raimund 'Mikro' Rilling (cel, perc, voc) die Band zum Sextett. In dieser Zeit teilten sich Os Mundi zeitweise einen großen Proberaum am Kreuzberger Paul-Linke-Ufer mit Agi- tation Free. Dort fanden auch Sessions statt, an denen u.a. Manuel Göttsching (später Ash Ra Tempel), Ludolf Ku- chenbuch (g, sax, Berlin Jazz Workshop Orchestra, Os Mundi) und Michael Günther (Agitation Free) teilnah- men.

"Diese Sessions führten wohl u.a. dazu, daß sich die Musik von Os Mundi erheblich veränderte" (COSMIC EGG). 24 Bei dem zwei Jahre später von Conny Plank produzierten zweiten Os Mundi-Album '43 Minuten' (1972) waren die "Einflüsse der neuen Mitglieder sehr gut erkennbar. Die LP, benannt nach der ungefähren LP-Laufzeit, unterschied sich von dem Vorgänger durch mehr Symphonic- und Jazz-Rock-Elemente" (PROGARCHIVES) und war eine "völlig andere Arbeit – eher eine Progressive-Mainstream-Platte, die sich in die Richtungen Jazz, Folk und zeit- genössischem West-Coast-Rock entwickelte" (COSMIC DREAMS). Das Album "zeigte angeblich Udo Arndts Vorliebe für Chicago Transit Authority. Wenn ja, verdrehten Os Mundi die Einflüsse und wuchsen zu einer ausgesprochen germanischen Rock-Fusion mit allen möglichen Über- raschungen heran" (COSMIC EGG). Die Band nahm 1973 ein drittes Album auf, das aller- dings nie richtig fertiggestellt wurde und unveröffent- licht blieb. Os Mundi existierten noch bis 1975, wobei sich immer mehr Musiker an dem Projekt beteiligten, u.a. die klassisch ausbegildete Ute Kannenberg (voc, perc), die sich als Tanja Berg erfolgreich in der Schla- gerbranche versucht hatte und als Jazz-Sängerin ihre Berufung fand.

Danach brach die Band auseinander. Allerdings fand zwischen 1975 und 1981 alljährlich ein Os Mundi-Revivalkonzert im fast immer ausver- kauften Berliner Quartier Latin statt, zu dem viele der ehemaligen Bandmitglieder anreisten. 2008 erschien noch mit 'Sturmflut' ein Os Mundi-Album, das drei neue Titel enthielt und aus Aufnahmen aus den Jahren 1973 und 1975 bestand. Udo Arndt hatte 1977 eine Praktikantenstelle im Tonstudio des Evangelischen Rundfunkdienstes Berlin angenommen und lud regelmäßig Berliner Bands in dieses ERD-Studio ein und machte kostenlose Demo- 25 aufnahmen, um den Umgang mit dem technischen Equipment zu üben. Der Manager und Fotograf Jim Rakete, der gerade in Westberlin sein Musikmanagement aufbaute, wurde auf Arndt aufmerksam, der dar- aufhin mit mehreren Künstlern der Fabrik Rakete arbeitete. Udo Arndt erhielt in den folgenden Jahren Dutzende von Produktionsaufträgen und avancierte in der deutschen Musikszene zu einem einem bekann- ten Produzenten und Ton-Ingenieur. Er arbeitete u.a. mit Rio Reiser, Nina Hagen, Spliff, Ulla Meinecke, Interzone, Anette Humpe, Stephan Remmler, Curt Cress, Wolfgang Petry, Rainbirds, Stefan Waggers- hausen und Achim Reichel. Als Komponist war Udo Arndt u.a. mit dem Soundtrack des Katja von Garniers-Films 'Bandits' (1997, mit Katja Riemann, Jasmin Tabatabei, Peter Sattmann) erfolgreich.

Seit 2004 lebt Udo Arndt in Dénia an der Ostküste Spaniens und arbeitet nur noch gelegentlich mit befreun- deten Kollegen im eigenen SOMA-Tonstudio. SOMA steht als Abkürzung für "Studio Of Modern Arndt". Auch Christoph Buss etablierte sich als Produzent in der deutschen Musikszene – u.a. für Hans Hartz – und machte sich als Regisseur, Filmemacher, Komponist einen Namen und komponierte unzählige Lieder für die deutsche Ausgabe der 'Sesamstraße'. Buddy Mandler wanderte nach Norwegen aus. Andreas Villain arbeitete als Psychotherapeut in der Schweiz. Dietrich Markgraf spielte zeitweise bei den Berliner Philhar- monikern und zog ins hessische Marburg. Seit einem schweren Reitunfall war er vom Hals abwärts ge- lähmt – alle Tantiemen aus den Os Mundi-Platten fließen seitdem komplett auf sein Konto. Ludolf Kuchenbuch hatte einen Lehrstuhl für Geschichte an der Universität in Hagen inne und kehrte als Ruhe- ständler wieder nach Berlin zurück. Ute Kannenberg moderierte zwischenzeitlich Jazz-Radiosendungen beim RIAS Berlin und dem Deutschlandradio. Klaus Henrichs spielt immer noch Saxophon, gibt Musik- unterricht und komponiert. Harald Skorepa veröffentlichte seit 1995 das Musiklexikon 'Ultimus', ein um- fassendes Nachschlagewerk für den Bereich der Rockmusik. 'Mikro' Rilling bildete gemeinsam mit Ludolf Kuchenbuch und Klaus Henrichs das Improvisationstrio OHPSST, das auch mit Ute Kanneberg und Ekke- hard Jost spielte. Später gehörte Rilling zum Berlin Jazz Workshop Orchestra ('Who Is Who?', 1979). Rilling verstarb 2018.

 

Burghard Rausch im Juni 2020

© Bear Family Records®
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