Wer war/ist Otto Reutter ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr

Otto Reutter

* 24. April 1870 – 3. März 1931

Er wird in einfache Verhältnisse hinein geboren. Die Eltern, die Eheleute Pfützenreuter aus Gardelegen in der Altmark, rufen ihren Sohn Otto. Als dieser herangewachsen ist und sich entschließt, lieber mit Volkssängern und Humoristen auf Wanderschaft zu gehen als seine Kaufmannslehre abzuschließen, ändert er seinen Nachnamen kurzerhand in Reutter.

Der Vorname bleibt. Als Otto Reutter debütiert der 29-Jährige 1899 im Berliner Varietétheater Wintergarten und avanciert zu einem der größten Humoristen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Seine Spezialität sind Couplets, mit denen er das Zeitgeschehen kommentiert und menschliche Schwächen aufs Korn zu nimmt.

Kurt Tucholsky schwärmt: "Er haucht seine Pointen in die Luft, und alles liegt auf dem Bauch." Reutter hinterlässt der Nachwelt schließlich weit über 1.000 Couplets, von denen etliche bei der Grammophon bzw. Polydor erschienen sind. Darunter sind auch die Klassiker "In 50 Jahren ist alles vorbei", "Der Blusenkauf", "Ick wundere mir über gar nischt mehr" und nicht zuletzt "Der Überzieher" aus dem Jahr 1926.

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Seine gereimten Lebensweisheiten wurden sprichwörtlich, seine eingängigen Melodien wurden zu Gassenhauern, sein unverwechselbarer Couplet-Vortrag wurde oft kopiert und nie erreicht. “Ein schlecht rasierter Mann mit Stiel-Augen, der so aussieht wie ein Droschkenkutscher, betritt in einem unmöglichen Frack das Podium”, so hat Tucholsky ihn erlebt. “Er guckt dämlich ins Publikum und hebt ganz leise, so für sich hin, zu singen an. Diese Leichtigkeit ist unbeschreiblich. Welch ein Künstler! Alles geht aus dem leichtesten Handgelenk, er schwitzt nicht, er brüllt nicht, er haucht seine Pointen in die Luft, und alles liegt auf dem Bauch...” In Kabaretts hat Otto Pfützenreuter (1870–1931), der sich Otto Reutter nannte, nicht gesungen – sie waren ihm zu klein.

Seine Spielstätten waren die großen Singspielhallen und Varietés, allen voran der Berliner “Wintergarten”. Die Themen seiner Lieder lagen auf der Straße, er brauchte sich nur zu bücken. Und er bückte sich: “Der gewissenhafte Maurer”, “Der Überzieher”, “Nehm’ Se’n Alten” – er schaute dem Volk aufs Maul, machte sich seine Gedanken über den Sinn des Lebens und einen witzigen Reim drauf. Mehr als tausend Couplets hat er geschrieben, und da viele von ihnen schon früh von seinen Kollegen nachgesungen wurden, versah er seine Notenausgaben mit “Anmerkungen für den Vortragenden”. Da heißt es in bezug auf “Nicht so laut” unter anderem: “Wird das Couplet mit Orchesterbegleitung vorgetragen, so lasse man in Strophe 1 bei den Worten ‘Tut, tut’ ein Geräusch, ähnlich einer Automobilhupe, durch die dazu passenden Orchesterinstrumente ertönen.”

Ferner regt er an, daß in der letzten Strophe, in der von der kaiserlichen Zensur die Rede ist, die Worte “Psst – psst!” nicht vom Vortragenden gesprochen werden, sondern daß sie ihm von den Musikern zugerufen werden sollten. Mit der Zensur hatte er oft seine liebe Not, er rächte sich zuweilen dadurch, daß er sich, zum Ergötzen des Publikums, anstelle der gestrichenen Zeilen vielsagend räusperte. Bis ihm bei der nächsten Vorlage des Textes wieder eine Pointe gestrichen wurde. Diesmal mit dem Zusatz: “Diese Stelle darf weder gesungen noch geräuspert werden!”

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