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Wer war/ist Hanne Wieder ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr


 

Da singt eine Frau von der Liebe. Nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich bei dieser speziellen Frau ist jedoch, daß sie es ohne Sentimentalität tut, wenn auch mit Sentiment. Und daß sie durchaus nicht immer ihr eigenes Geschlecht gegen das angeblich so unsensible andere verteidigt.

"Ich bin keine Frau, die man verläßt; das, was ich habe, halte ich fest" singt sie zum Beispiel in einem Chanson von Jean Ferrat mit dem Titel Mon Bon Homme (Mein guter Mann), und hält an der längst erloschenen Ehe fest, bis sie den Dahingeschiedenen triumphierend beerbt. Ihr Resümee: "Wenn man auch seinen Mann nicht behält, man behält seinen Namen, sein Geld."

Aber dann wieder: "Nimm mich so, wie ich bin", denn "mich kriegt keiner mehr hin." Und: "Laß mir meine Fehler, ich laß dir deine Fehler" bis hin zu Monnots einst von Edith Piaf gesungenem Chanson "C'est l'amour qui fait qu'on s'aime": "Wer nicht liebt, hat keine Tränen und kein Recht geliebt zu sein."

Es sind allemal Songs und Chansons, solche aus eigenem Recht sowie aus Musicals von Richard Rodgers, Cole Porter und anderen, die von der Liebe handeln, ihrer Beglückung und ihrer Verzweiflung, ihren Hoffnungen und ihren Schmerzen, ihren Feindseligkeiten, ihrer Aussichtslosigkeit und Abwehr - also ihrer Schicksalhafigkeit, der sich keiner ohne Verlust eines Teils seiner Seele entziehen kann, gesungen von einer Frau, die in der deutschen Chansontradition einzigartig dasteht: Hanne Wieder.

Sie war, wie die Dietrich, Tochter eines preußischen Offiziers und von gleicher preußischer Disziplin, doch, wenn auch ohne Marlenes eher einschleichende Erotik, alles andere als unerotisch; im Gegenteil, und noch dazu voller Ironie, auch sich selbst gegenüber. Und wenn sie in ihren Chansons weich wurde vor lauter hilfloser Liebe, dann ohne den bei deutschen Chansonnieren sich oftmals einschleichenden Bibber in der Stimme. Dann konnte sie, die ansonsten Keßheit und Selbstbewußtsein einer emanzipierten Frau, fern allen Chichis, aus ihrer rauhen Kehle herausschmetterte, ganz leise und anrührend sein.

Hanne Wieder, am 8. Mai 1925 in Hannoversch-Münden geboren und am 11. Mai 1990 in München gestorben, aber trotz allem sehr berlinisch-direkt, kam zum Chanson erst verhältnismäßig spät, nachdem sie sich 1946 bis 1947 auf der Sprechbühne von Karlsruhe über Stuttgart nach Tübingen vorgearbeitet hatte, bis sie dank ihres satirischen Temperaments unvermeidlich auf das Kabarett zusteuerte: von Mitte 1947 bis Ende 1951 als Ensemble-Mitglied des Düsseldorfer 'Kom(m)ödchens', dann beim 'Rendez-vous' in Hamburg und von 1953 bis 1955 beim Tournee-Kabarett 'Die Amnestierten.'

Am Nordmark-Theater in Schleswig, wo sie - wieder auf einer "richtigen" Bühne - die Zirkus-Dompteuse des "sießen Ponys" in dem Musical 'Feuerwerk' spielte, hatte sie zum Partner den durch und durch berlinischen Helmut Brasch, der kurz darauf an das Münchner Kabarett 'Die Kleine Freiheit' engagiert wurde. Als deren Prinzipalin Trude Kolman für ein kabarettistisches Stück, 'Das Privatleben der Helena', eine blonde Hauptdarstellerin suchte, empfahl ihr Brasch die Kollegin Hanne Wieder und zeigte ein Foto von ihr. Die Kolman fiel aus allen Wolken: "Was denn, die ist doch nicht blond!" - "Ach, was," sagte Brasch, "det spielt se dir!" Und tatsächlich war die schwarzhaarige Wieder in dieser Rolle innerlich so blond, daß nicht nur die Kolman beruhigt, sondern das Münchner Publikum hingerissen war von soviel schwarz-blonder Verve.

Auszug aus dem Booklet BCD16011 - Hanne Wieder Einzigartig (Hörspiel, Wort, Kabarett)
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