Presse - Roy Hall - Three Alley Cats - Oldiemarkt

Diesmal gibt es eine EP von Roy Hall, eine Reissue von Percy Sledge und ein Album von Kenneth Minor. Es sind die grundlegenden Stilarten, die die Rockmusik immer wieder auffrischen kön-nen: Der Blues, die Countrymusik oder der Jazz. Diese drei haben die meisten Genres hervorgebracht, die die Rockmusik seit 60 Jahren beackert, ganz egal, in welcher Varia-tion das auch immer geschieht. Deswegen ist es vermessen, einen dieser fundamentalen Klänge aus dem Gedächtnis zu streichen, auch wenn er einmal schwächeln sollte. Das nächste Revival wartet um die Ecke. Das gilt für die drei genannten Basen der populären Musik ebenso wie für ihre Nachfahren. So mag der Rock'n'Roll derzeit auf der Samm-lerseite etwas durchhängen, weil die erste Generation, die noch die Originale sah, aus Altersgründen von der Bühne abtritt - doch das heißt noch lange nicht, dass er deswegen an Relevanz verloren hat.

Das demonstriert die EP Three Alley Cats (Bear Family BLX 019) des in Nashville lebenden und arbeitenden Pianisten Roy Hall, der 1956 nicht nur einen Nachtclub betrieb, sondern auch noch als Roadmanager für den Countrystar Webb Pierce arbeitete. Was er im Februar und Au-gust 1956 im Bradley Film And Recording Studio mit solchen Gästen wie den legendä-ren Gitarristen Hank Garland und Grady Martin anfertigte, war starker Rock'n'Roll mit Wurzeln im Rockabilly, was die Beglei-tung durch einen akustischen Bass beweist. Hall gehörte zur ersten Generation der Rock'n'Roller, schrieb nicht nur mit Jeny Lee Lewis seinen größten Hit Whole Lotta Shakin' Going On, sondern nahm selbst auch Platten auf, ohne dafür übermäßig berühmt zu werden.

Eigentlich war er ein Wunderkind und spielte schon mit 11 Jahren Konzerte in Bristol, Tennessee, einem der ersten Zentrender Countrymusik. Natürlich führte ihn sein Weg irgendwann nach Memphis und von da nach Nashville. Zwar landete er nie einen richtigen Hit, aber er war auf vielen Sessions präsent. Diese EP zeigt ihn auf der Höhe sei-nes Könnens und bringt zudem einen bislang unveröffentlichten Take des Titelsongs der EP. Zahllose Hits landete zwar auch Percy Sled-ge nicht, aber der, für den er Zeit seines Le-bens berühmt blieb, reichte für eine ganze Karriere.

Die Rede ist natürlich von When A Man Loves A Woman und obwohl es genü-gend Fassungen gab, die besser waren als seine, führten die Emotionen, die er in seine Interpretation einbrachte dazu, dass es vor al-lem seine Fassung war, die bis heute gespielt wird. Freilich wäre es unfair, ihn nur auf die-sen einen Titel zu reduzieren und das beweist die im Original 1967 erschienene LP The Percy Sledge Way (Bear Family BAF 1803 bei der Atlantic ihn etliche aktuelle Soulhits singen ließ, von The Dark End Of The Street bis zu You Don't Mis Your Water (7711 Your Well's Run Dry). Das war nur kon-sequent, weil Sledge ein überragender Voka-list war, obwohl einige Songs im Original besser gelangen als hier. Aber seine Versio-nen von The Dark End Of The Street und I Had A Talk With My Woman sind herausra-gend und rechtfertigen den Kauf der LP.

Sledge war auf diesem Album einmal mehr der Prototyp des Soulsängers aus den ameri-kanischen Südstaaten, der bei weitem nicht so glatt und kommerziell vorging wie seine Kollegen aus Detroit oder New York, son-dern der bei jeder seiner Interpretationen das Gefühl vermittelte, er würde für dieses Lied sein Leben geben. Dieses Engagement zeich-nete nicht nur ihn aus, sondern solche Grö-ßen wie Otis Redding oder James Brown, die nicht eher aus einer Halle gingen, ehe nicht jeder Zuschauer genauso verschwitzt wie sie war. In diese Klasse gehört Sledge zweifellos und das zeichnet die LP aus.

 

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