Presse - Various - History Nashville Jumps, Blues & Rhythm 1945-1955 - Fidelity Magazin Januar/Februar 2014

Fidelity Magazin Januar/Februar 2014 
Tenx und Bilder Winfried Dulisch
Die Stadt firmiert als Music City und verspricht damit nicht zu viel. Der Musik-Trip beginnt schon in der Gäste-Infozentrale. Dort können sich die Besucher auf einer Bühne mit einer Gitarre fotografieren lassen und ihren Lieben daheim beweisen: I was in Nashville. Von hier aus sind es zwei Minuten zu Fuß bis zur Country Music Hall of Farne. Diese Ruhmeshalle würdigt die Wegbereiter und Stars der bedeutends-ten Hinterwäldler-Mucke aller Zeiten - vom Haus-musikanten-Ensemble Carter Family und dem Rock-' n'-Roll-Urahnen Hank Williams bis zu Dolly Parton und Wilke Nelson_ Im gleichen Gebäude erzählt ein Museum die Entwicklungsgeschichte von Hillbilly und Bluegrass hin zum Country-Pop. Der Berühmteste von allen hat gleich um die Ecke sein eigenes Museum. Manche Besucher erfahren hier zum ersten Mal, dass er seit 2003 tot ist", erzählt Randal Bart, Guide im Johnny Cash Museum. „Außerdem ist vielen seiner Fans gar nicht bewusst, was für eine vielschichtige Künstler persönlichkeit er war. Jenny Cash war Rock-- n'-Roll-Sanger und Gospel-Prediger, Showmaster und TV-Comedian Er spielte Charakterrollen - und zwar nicht nur in Westernfll-men. Er war ein politischer Aktivist und setzte sich für die Rechte von Gefängnisinsassen ein."

Johnny Cash
Dass dieser Singer-Songwriter auch für die nordamerikanischen Ureinwohner seine Stimme erhob, fehlt in dem ansonsten thematisch breit aufgestellten Johnny Cash Museum nur dem genauen Betrachter auf. Dabei hatte er bereits 1964 ein verdammt eindrucksvolles Konzept-album zu diesem Thema eingespielt Bitter Tears: Ballads Of The Arnerican Indian. 50 Jahre später ließen sich Emmylou Harris, Kris Kristofferson und mehrere Bluegrass-Hoffnungsträ-ger davon zu einem Remake inspirieren: Look Again To The Wind: Johnny Cash's Bitter Tears Revisited (Sony). Diese Wiedervorlage eines immer unbewäl-tigten Themas der US-Geschichte hat sich allein schon für das eindringlich zurückhaltend interpre-tierte „As Long As The Grass Shall Grow" gelohnt; neun intensive Minuten lang singen Gillian Welch und David Rawlings davon, wie der weiße Mann die Native Americans heute noch betrügt. Neben all den aufrüttelnden Texten klingt dieser Traditional-Sound angenehm durchhörbar und viel einschmeichelnder als das Original-Album


Gleich um die Ecke vom Johnny Cash Museum steht der Ernest Tubb Record Shop Andere Musi-ker investierten ihr Geld in Aufnahme-studios oder Musik-verlage, der Country (1914-1984) eröffnete im Jahr 1947 lieber einen Plattenladen in bester Geschäfts-lage. „Er hatte damit sein Ohr ganz nah dran an den Plattenhörern-, schwärmt Gloria Ellingson von ihrem einstigen Chef, für den sie 1967 als Verkäuferin zu arbeiten begann. Damals setzte der Laden noch die jeweils aktuellen Musiktrends. Heute decken die Country-Nostalgiker aus aller Welt ihren Souvenir-bedarf bei Ernest Tubb und können damit ebenfalls nachweisen: I was in Nashville.
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Die Musicity steht nicht nur auf einem Country-Fundament. Neben all den vielen Popularmusik-Weihestät-ten steht das Schermerhorn Sympho-ny Center. Dieses Konzerthaus wurde nach Kenneth Schermerhorn benannt, der das Sinfonieorchester der Stadt von 1983 bis 2005 dirigierte. 2013 veröffentlichte Nashville Symphony die CD The Impostor (Decca); als Solist wirkte beim Concer-to for Banjo & Orchestra der bedeutendste Klassik-Star der Stadt mit: Bäla Fleck. Mit diesem Album bewies der Banjo-Virtuose endgültig die Konzertreife seines lange genug als Jazz- und Bluegrass-Schram-mel verkannten Instruments.

NashvIlle Sound
Als Erfinder des „Nashville Sound" ging allerdings ein anderer Saitenzupfer in die Musikge-schichte ein: Chet Atkins (1924-2001). Nach seinen Vorstel-lungen wurde 1956 das RCA Studio B ge-baut, vor allem für die Countrymusic-Klientel. Doch die kommerziell erfolg-reichsten Produkte müden im RCA Studio B (siehe Bild auf der nächsten Seite) von einem Rock-In >-Roil-Schnösel eingespielt: „Are You Lonesorne Tonight", „lt's Now Or Never" und andere Presley-Hits. Heute ist das Studio eine Lehrwerkstatt fur junge Tontechni-ker - und ein Museum. Die Museumsführerin erzählt: „Elvis und seine Musiker kamen immer abends um zehn ins Studio und blödelten die ganze Nacht rum. Zwischen vier und fünf Uhr nahmen sie dann einen Song auf. Als Elvis im Juni 1966 .If Every Day Was Like Christmas' einspielte. ließ er Tannenbaume im Studio aufstellen, um das ,Nashville A-Team' und sich selbst in die gewünschte Stimmung zu bringen."

Das „Nashville A-Team" war ein Studiomusiker-Pool, wie er sonst nirgendwo zu finden war Neben Chet Atkins und anderen stadtbekannten Guitar-Pickers waren vor allem das röhrende Saxofon eines Boots Ranclolph, der Klirnperkasten-Sound des Pianisten Floyd Cramer sowie die Mundharmonika von Charlie McCey die Erkennungweichen des Nestwille A-Tearn. Abgerun-det wurde dieses Klangbild meist von den Anita Kerr Singers, von The Jordanaires oder einer anderen - immer ganz nah am Rande der Schmalztopfes entlang singenden - Background-Vokalgruppe. Ohne diese gut aufeinander eingespielten Begleiter wären viele Stars niemals zum Star gewor-den'', erzählt Joe Chambers, Direktor von The PvIusi-cians Hall of Farne (MROF). Sein Museum soll nicht nur die legendären Nashville-Studiemusiker würdi-gen_ Die meisten Instrumente und Aufnahmegerate, die heute in der MHOF ausgestellt sind, wurden einst verwendet von Musikindustrie-Fließbandarbei-tern aus Detroit (IVIotown), Memphis (Sun, Stax) und anderen Hitfabrik-Standorten. 

Aus der afroamen-kanischen Perspektive betrach-tet wird die Musicity auf A Shot In The Dark Nashville Jumps -Blues & Rhythm On Nashvillels Independent LAbeis, 1945-1955 Wem 'Family) Die 200 Tracks in dieser 8-CD-Box wudien von kleinen Independent-Labels produziert, die in der Hochburg der Country-Music damit auch eine Jazz- und Bluesliadition begründeten, Der Gitarrist David Andersen (Bild unten links) schafft es tatsächlich, sich von all diesen Einflüssen inspirieren zu lassen. Als ,.Ambassador of Music City"' schüttelt er im Foyer der Country Music Hall of Farne für alle Besuchergruppen das jeweils passende Repertoire aus dem Ärmel: Country-Schnulzen, Jazz-Standards. Gospel-Songs - m'you name lt 1 play it"' Nur wer diesem Botschafter der Musikstadt Nashville eine CD abkauft und sich mit ihm fotografieren lasst, kann von sich behaupten: 1 was in Music City
redoktionülfidelity.magazimde

 

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