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LEINEMANN Mein Tuut Tuut

Mein Tuut Tuut
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Daß Leinemann das Zeitliche segnen würde, war abzusehen. Nach über sechs Jahren Dauerstreß... mehr

LEINEMANN: Mein Tuut Tuut

Daß Leinemann das Zeitliche segnen würde, war abzusehen. Nach über sechs Jahren Dauerstreß  'on the road' - zunächst in Kneipen, auf Kleinstadtbühnen, Stadtfesten, dann in großen Hallen bis hin zur Berliner Philharmonie - waren die geschwächten  Batterien einfach leer. Die Band hatte sich verändert, die Interessen waren unterschiedlich geworden, Gottfried Böttcher war zu Udo Lindenberg gewechselt, und alte Freundschaften drohten zu zerbrechen. Hinzu kam, daß Ulf begonnen hatte, sich vermehrt als Autor und Musikproduzent zu betätigen. 

Lonzo und ich spielten unter dem Namen 'Second Hand Music', doch was eigentlich nur der persönlichen Entspannung dienen sollte, wurde ziemlich schnell zum Hamburger Geheimtip, füllte Kneipen. Wir erhielten einen Schallplattenvertrag bei Polydor und sogar das Angebot, mit Otto Waalkes auf große 60-Tage-Tournee durch Deutschland, Östereich und die Schweiz zu gehen! Lonzo und mir war sofort klar: Diese Tour war zwar eine große Chance für 'Second Hand Music,' würde aber auch gleichzeitig das Ende der berühmt-berüchtigten Band Leinemann bedeuten! Nach dem Konzert in einer norddeutschen Kleinstadt war's dann 1976 soweit: Lonzo und ich informierten die Band über unser Ausscheiden.

Die Presse in Deutschland beschäftigte sich in den folgenden Wochen mit 'Kondolenz-Reportagen', Radiostationen spielten Leinemann-Songs im Dauereinsatz. Fernseh-Sender wollten schnell noch einen TV-Auftritt der Band, unsere Plattenfirma Phonogram mahnte die Einhaltung der Verträge an, und unsere Konzert-Agentur war schlicht und ergreifend entsetzt.

Die Reaktion der Bandmitglieder dagegen war recht unterschiedlich: Ulf war’s weitestgehend egal, er hatte eh andere Pläne, Uli als Ur-Leinemann und Mitbegründer war zwar platt, plante dann jedoch sein Rock-'n'-Roll-Projekt 'Rudolf Rock und die Schocker'. Jerry beschloß, sein Architektur-Studium zu beenden, und Berry wurde neues Mitglied bei 'Second Hand Music'. Aus dem kleinen Trio zur sehr persönlichen Erbauung wurden Dank Lonzos mächtigem Ehrgeiz eine ebenso große wie ambitionierte Band mit dem Zungenbrechernamen Okko, Lonzo, Berry, Chris und Django! Daß ich meine neue Band schon nach kurzer Zeit desillusioniert und genervt wieder verlassen und mich nach meinen Jungs von Leinemann sehnen würde, daran dachte ich nicht.

Nachdem die Gemüter (und auch die Medien) sich halbwegs beruhigt hatten, galt es zunächst, verbliebenen vertraglichen Konzert- und Schallplattenverpflichtungen nachzukommen. Erst gab es viele 'letzte' Abschiedskonzerte, dann entstand mit der Erlaubnis unserer Plattenfirma die LP 'Hit Torpedo', ein weiteres deutschsprachiges Album und Zugeständnis an die Situation einer nicht mehr existierenden Band. Diese Veröffentlichung trug  einmal mehr die Handschrift von Ulf Krüger und mir, die wir mittlerweile auch als Schreiber und Produzenten vermehrt Ambitionen hatten. Zwar gelang mit der Cover-Version Romina noch ein Radio-Hit, der wirkliche Leinemann-Fan jedoch blieb dem Album fern.

Mit der LP 'That Old Fashioned Feeling' war dann zunächst Schluß. Diese Scheibe war zwar eine kleine Verbeugung vor den 'Roots' der meisten  Bandmitglieder, die ja aus der frühen Zeit der Beatmusik kamen (Ulf und Uli hatten sogar im Star-Club gespielt); sie blieb aber letztlich das, was sie war: eine Verlegenheitslösung. 'That Old Fashioned Feeling' enthielt aber immerhin  eine schöne Cover-Version des Kinks-Hits Tired Of Waiting. Und ein  neuer Sänger war auch dabei: Carlo Blumenberg, damals in Hamburg schon bekannt als Rock- und Rock-'n'-Roll-Sänger (Thrice Mice, Altona und Dirty Dogs).

In den folgenden zwei Jahren blieb es still um Leinemann. Erst 1980 wurde die Gruppe recycelt - mit einer Fassung des Rockabilly-Klassikers Midnight Dynamo, den Ulf und ich in Volldampfradio umgetitelt hatten und der prompt in die Charts stürmte. Leinemann hatte nach all den Jahren den ersten großen Hit!

Jetzt ging es Schlag auf Schlag: In schneller Folge setzte es weitere Hits, z. B. Das Ungeheuer von Loch Ness‚ mit dem Leinemann sogar zur deutschen Grand- Prix-Vorentscheidung fuhr. Dann kam Keine Angst vorm Rock 'n' Roll, Ein Königreich für'n Autogramm von Elvis und schließlich die deutsche Version von Come On, Eileen  (Dexy’s Midnight Runners), von Ulf und mir umgebaut zu Treffpunkt Bärlin, einem Hit mit – man glaubt es kaum – politischen Untertönen.

Spätestens jetzt (und nach einigen 'leidvollen' Auftritten der Band in der berühmt-berüchtigten ZDF-Hitparade mit dem Großmeister des deutschen Schlagers, Dieter Thomas Heck) hatte Ulf endgültig die Nase voll und verabschiedete sich. Das bedeutete eine Pause von immerhin drei Jahren! Erst 1985 würde man vom Rest der Gruppe Leinemann wieder etwas hören. Was aber dann kam, war ein echter Hammer. Mit einer deutschen Country-Swing-Version des Hits My Toot Toot (einer Cajun-Nummer aus den Sümpfen Louisianas) eroberte Leinemann alle Hitparaden. Um ehrlich zu sein: Diesen Titel wollte ich eigentlich gar nicht produzieren. Erst als Gibson Kemp, u.a. seinerzeit gefeiert als Entdecker der Band INXS, mir lautstark 'den Marsch' blies, machte ich mich auf den Weg ins Studio. Die erste Version lehnte die Plattenfirma allerdings als 'zu pornografisch' ab – erst die zweite Fassung ging durch – und löste in halb Deutschland die weltbewegende Frage aus: Was, bitte, ist ein 'Tuut Tuut'?!

Titel wie Piraten der Liebe und Alle woll’n das Eine sowie das Album 'Tuut Tuut' bescherten Leinemann eine weitere, höchst erfolgreiche Zeit in den Hitparaden und in TV-Shows. Es steht 'ne Kiste Bier in Spanien, ein punkiger Polka-Titel der Pogues sowie die Single Nick Nack, ein traditioneller Folk-Song, der populär geworden war durch den Fernseh-Inspektor Columbo, der dieses Liedchen pfiff oder summte, wenn er Täter zur Stecke brachte, folgten. Sie waren zwar sehr erfolgreich im Funk und im TV, brachten aber wenig Verkäufe. So kam schliesslich 1993 die letzte Leinemann-Single auf den Markt – eine Version des Hamburger Szene-Klassikers Die Dinosaurier (werden immer trauriger), seinerzeit geschrieben von den Leinemännern Ulf Krüger und Uli Salm und dem englischen Hit-Schreiber und Produzenten Steve Glen (u.a. Hot Chocolate) für den legendären Ex-Leinemann Lonzo.

Heute, nach immerhin 35 Jahren, stehen die alten Leinemänner von 1969 immer wieder mal gemeinsam und (durchaus erfolgreich) auf der Bühne. Ob jedoch die 'Tuut Tuut'-Besetzung je wieder ins Studio gehen wird, um weitere Hits aufzunehmen – keine Ahnung.
 
Aber wer weiß: There ain’t no age for Rock 'n' Roll.

Django Seelenmeyer
Hamburg, im März 2004

Artikeleigenschaften von LEINEMANN: Mein Tuut Tuut

  • Interpret: LEINEMANN

  • Albumtitel: Mein Tuut Tuut

  • Genre Schlager und Volksmusik

  • Label Bear Family Records

  • Preiscode AH
  • Artikelart CD

  • EAN: 4000127164100

  • Gewicht in Kg: 0.115
Leinemann - Mein Tuut Tuut CD 1
01 Alle schaffen es
02 Mein grünes Beinkleid
03 Das Rentier
04 Oh weh, oh je
05 Ich bin verliebt in mein Toupe
06 Ich mach so gerne Striptease
07 Warum immer ich?
08 Ballade vom Trinker
09 Vom Urwald in den Zoo
10 Volldampf Radio
11 Das Ungeheuer von Loch Ness
12 Keine Angst vorm Rock 'n' Roll
13 Ein Königreich für'n Autogramm von Elvis
14 Lonnie Donegan
15 Treffpunkt Bärlin
16 Mein Tuut Tuut
17 Alle Tage Karneval
18 Piraten der Liebe
19 S-s-s-Supermann
20 Es steht 'ne Kiste Bier in Spanien
21 Nick Nack
22 Die Dinosaurier
23 Ahoi, du mein Bayern
Leinemann 1969 ging es mit der Beatmusik bergab. Discotheken schossen wie Pilze aus dem... mehr
"LEINEMANN"

Leinemann

1969 ging es mit der Beatmusik bergab. Discotheken schossen wie Pilze aus dem Boden. Uli Salm (Bass) und ich verliessen die 'Chicago Sect', mit der wir es immerhin bis in den 'Star–Club' gebracht hatten. Ich ging unfreiwillig, Uli aus Loyalität zu mir freiwillig. Vom Musik–Business enttäuscht, verkaufte ich mein Schlagzeug.

Es dauerte jedoch nicht lange, da hatten wir wieder eine Band, nur so zum Spaß: Jerry Bahrs & his Skiffle Group. Jürgen 'Jerry' Bahrs (Gitarre, Gesang) war bereits Anfang der sechziger Jahre wie wir Mitglied der 'Owl City Washboardmen' in Uelzen gewesen, den Lüneburger Banjospieler Jörn Christoph 'Django' Seelenmeyer hatten wir auf den legendären Hamburger Skiffle– Festivals kennen und schätzen gelernt. Da ich kein Schlagzeug mehr besaß, wurde ich Waschbrettspieler.

Uli und ich gingen oft ins alte 'Onkel Pö' am Mittelweg, wo es nicht selten zu interessanten Sessions mit den unterschiedlichsten Musikern kam. Dort trafen wir Gottfried Böttger. Sein kraftvolles Klavierspiel und sein souveränes Auftreten beeindruckten uns schwer. Als wir uns endlich trauten, ihn zu fragen, ob er bei uns einsteigen wolle, siezten wir ihn.

Mit Gotti hatten wir den King der Pöseldorfer In–Szene in unserer Band. Es ging schlagartig aufwärts. Zuerst war das 'Onkel Pö' ausverkauft, wenn wir auftraten, dann das 'Theater im Zimmer' um die Ecke. Wir beschlossen, eine Schallplatte zu machen. Die Single My Baby Left Me/Can I Get A Witness  wurde in einem kleinen Studio in der Nähe von Hildesheim aufgenommen - und zwar live, so wie wir auf der Bühne spielten. Auf der Rückfahrt nach Hamburg entschlossen wir uns, unserer Kapelle zukünftig einen neutralen, nicht auf ein Bandmitglied bezogenen Namen zu geben. Wir entschieden uns für den Namen eines Typen, der absolut nichts mit unserer Musik zu tun hatte: (Helmut) Leinemann.

Das 'Onkel Pö' zog um nach Eppendorf. Wir zogen mit. Leider blieb der Erfolg dort zunächst aus. Aber in Dieter Roloffs Cotton Club im Hochbunker am Poelchaukamp begannen wir, uns eine kleine Fangemeinde zu erspielen. Der Veranstalter Karsten Jahnke setzte uns beim 'Carnival of Jazz' im Winterhuder Fährhaus ein.

Dann platzte endlich der Knoten im neuen 'Onkel Pö', und die Zuschauer kamen zahlreicher. Bald stand eine Menschenschlange vor der Tür, wenn wir auftraten. Und: Die Schallplattenindustrie wurde auf uns aufmerksam. 1971 erschien unsere erste Langspielplatte 'Honky Tonky Skiffle Rock'.

Das Fernsehen stellte sich ein, und das 'Onkel Pö' unter der Leitung von Peter Marxen wurde zum Zentrum der neuen 'Hamburger guten Laune', später von den Medien 'Hamburger Szene' genannt. 1972erschien unserzweites Album 'Piano Skiffle Rock', das - wie schon das erste - nicht unbedingt das Tempo und den Witz unserer Live–Auftritte wiedergab, die das Publikum so begeisterten.

Die Schlangen vor sämtlichen Lokalen, in denen wir auftraten, wurden länger, mittlerweile auch außerhalb Hamburgs. Der 'Stern' schrieb: "Mit einer Mischung aus Ragtime, Rock und Skiffle läutet Leinemann eine neue Ära in der deutschen Pop-Szene ein..."

Auszug aus BCD16698 - LEINEMANN Leinemann
Read more at: https://www.bear-family.de/leinemann-leinemann.html
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