Wer war/ist Dolly Parton ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr

Aus ärmsten Verhältnissen im Osten Tennessees arbeitete sich Dolly Parton bis an die Spitze der Country Music empor, bevor ihr der Sprung in die internationale Popwelt gelang und sie auch als Film- und Fernsehstar Erfolge feierte. Dabei verband sie eine unverfälschte Gesangsweise, die stets ihren ländlichen Wurzeln treu blieb, mit einem außergewöhnlich produktiven Talent als Songschreiberin – viele ihrer größten Hits stammten aus ihrer eigenen Feder, insgesamt schrieb sie schätzungsweise 3.000 Songs – und einer selbstbewusst zur Schau gestellten, unverwechselbaren Weiblichkeit. Damit erreichte sie einen Status, der nur wenigen Sängerinnen und Sängern irgendeines Genres vergönnt war. Geschäftlich war Parton ebenso versiert wie vor dem Mikrofon. Ihre Dollywood Company betreibt den populären Freizeitpark Dollywood in Pigeon Forge, Tennessee, sowie weitere Parks und Veranstaltungsstätten. Ihr Vermögen wurde 2017 auf rund 500 Millionen US-Dollar geschätzt. Zu ihren zahlreichen philanthropischen Aktivitäten gehörte auch eine Spende von einer Million US-Dollar an das Vanderbilt University Medical Center, die zur Forschung im Zusammenhang mit dem Moderna-COVID-19-Impfstoff beitrug.
Dolly Parton starb am 25. August 2026 im Alter von 80 Jahren in Nashville, Tennessee. Sie entstammte einer ausgesprochen musikalischen und tief religiösen Familie. Dolly Rebecca Parton wurde am 19. Januar 1946 in einer Einzimmerhütte in Pittman Center, Tennessee, als eines von zwölf Kindern von Robert Lee Parton Sr. und seiner Frau Avie Lee geboren. Ihr Vater war Sharecropper, ein landwirtschaftlicher Pächter, und zog mit seiner Familie auf eine Farm in Locust Ridge, als Dolly noch ein kleines Kind war. Parton war eine unermüdliche Leserin und sog Wissen förmlich auf, was zweifellos auch ihre sich früh entwickelnden Fähigkeiten als Songschreiberin förderte. Viele ihrer besten Songs aus der ersten Phase ihrer Karriere schöpften unmittelbar aus den Erfahrungen ihrer bitterarmen Kindheit.
Bereits im Alter von zehn Jahren trat sie in Cas Walker’s Farm and Home Hour auf, einer bekannten Radio- und Fernsehsendung aus Knoxville. Im Frühjahr 1959 gab die 13-jährige Dolly ihr Plattendebüt bei Eddie Shulers in Lake Charles, Louisiana, ansässigem Label Goldband Records. Ihr Onkel und früher Songwriting-Mentor Bill Owens schrieb mit ihr den charmanten Rockabilly-Titel Puppy Love.
1962 erhielt Parton einen einmaligen Vertrag bei Mercury Records. Gemeinsam mit Bill Owens schrieb sie It’s Sure Gonna Hurt für A&R-Mann Jerry Kennedy; die B-Seite The Love You Gave wies bereits deutliche Pop-Einflüsse auf. Einen Tag nach ihrem Highschool-Abschluss im Jahr 1964 zog Parton nach Nashville, wo Owens bereits Fuß gefasst hatte. Gemeinsam unterschrieben sie bei Fred Fosters Combine Music Corporation. Sie schrieben Dollys temperamentvolle, deutlich auf den Popmarkt zielende Monument-Single What Do You Think About Lovin’ von 1964 sowie Put It Off Until Tomorrow, das 1966 für Decca-Künstler Bill Phillips ein Top-Ten-Hit in den Country-Charts wurde. Ray Stevens schrieb und produzierte 1966 Partons kraftvolle Monument-Single Busy Signal, die sich bereits dem Blue-Eyed Soul näherte. Im selben Jahr heiratete Parton den Straßenbauunternehmer Carl Dean. Die Ehe hielt mehr als ein halbes Jahrhundert.
Obwohl sie alles andere als ein Dumb Blonde war, lautete genau so der Titel von Dollys erstem Country-Hit Anfang 1967. Der Song stammte von Curly Putman. Produzent Foster verordnete der temperamentvollen Sängerin nun einen deutlich stärkeren Country-Sound mit Steel Guitar und Background-Chor. Ihr selbst geschriebener Monument-Nachfolger Something Fishy schnitt im Sommer desselben Jahres in den Country-Charts sogar noch besser ab.
Country-Star Porter Wagoner wählte Dolly als Nachfolgerin der ausscheidenden Norma Jean für seine Tourneeband aus. Wagoner moderierte eine populäre, landesweit ausgestrahlte Fernsehserie, die Parton enorme Aufmerksamkeit verschaffte, auch wenn sie zunächst den Widerstand der treuen Norma-Jean-Fans überwinden musste.
Gegen Ende des Jahres 1967 half Wagoner seiner neuen Duettpartnerin beim Wechsel zum Major-Label RCA Victor. Zunächst entstanden Partons größere RCA-Erfolge vor allem gemeinsam mit Wagoner. The Last Thing On My Mind, Holding On To Nothin’, We’ll Get Ahead Someday, Yours Love und Just Someone I Used To Know erreichten allesamt noch vor Ende des Jahrzehnts die Country-Top-Ten. Partons erste Solo-Veröffentlichungen für RCA waren zunächst weniger erfolgreich, obwohl das von ihr selbst geschriebene Just Because I’m A Woman 1968 die Top 20 erreichte.
1970 gelang schließlich der Durchbruch als Solistin. Dollys mitreißende Neuaufnahme von Jimmie Rodgers’ Mule Skinner Blues (Blue Yodel No. 8) stieg bis auf Platz 3 der Billboard-Country-Charts und öffnete die Schleusen für eine nahezu ununterbrochene Serie von Solo-Hits.
Mit Produzent Bob Ferguson erreichte Parton Anfang 1971 mit ihrer eigenen, eindringlich erzählten Komposition Joshua erstmals Platz 1 der Country-Charts. Coat Of Many Colors, ihr bewegender Nummer-4-Hit vom Ende desselben Jahres, beruhte unmittelbar auf persönlichen Erlebnissen aus ihrer Kindheit. Touch Your Woman wurde 1972 ein weiterer großer Erfolg, bevor Dolly 1974 gleich drei Country-Nummer-eins-Hits hintereinander folgen ließ: das eindringliche Jolene, das großartige I Will Always Love You und das beschwingte Love Is Like A Butterfly.
Parton schrieb I Will Always Love You als Abschied von Porter Wagoner, als sie sich darauf vorbereitete, seine Show zu verlassen und endgültig auf eigenen Beinen zu stehen. Damals konnte sie nicht ahnen, welche gigantischen Dimensionen Whitney Houstons Version des Songs 1992 erreichen würde. Porter und Dolly nahmen trotz der Auflösung ihrer geschäftlichen Partnerschaft weiterhin erfolgreiche Duette auf. Please Don’t Stop Loving Me erreichte 1974 die Spitze der Country-Charts, und Making Plans verfehlte 1980 nur knapp Platz 1 – lange nachdem beide beruflich bereits getrennte Wege gegangen waren.
Bevor Wagoner sich als Produzent zurückzog, arbeitete er gemeinsam mit Ferguson an Partons The Bargain Store, einem weiteren Country-Nummer-eins-Hit aus dem Jahr 1975. Wagoner produzierte im selben Jahr auch ihren Nummer-2-Erfolg The Seeker. Wie so oft hatte Parton beide Songs selbst geschrieben.
Mittlerweile wurde man auch weit außerhalb der Country-Szene auf Dolly aufmerksam. 1976 erhielt sie ihre eigene syndizierte Fernsehshow. Im folgenden Jahr schlug sie mit Here You Come Again eine wesentlich stärker am Mainstream orientierte Richtung ein. Der Song stammte von den renommierten Pop-Songwritern Barry Mann und Cynthia Weil. Dolly reiste für die von Gary Klein produzierte Aufnahme nach Los Angeles. Here You Come Again erreichte nicht nur Platz 1 der Country-Charts, sondern stieg auch bis auf Platz 3 der Popcharts und wurde mit Gold ausgezeichnet. Das gleichnamige, für einen Grammy nominierte Platin-Album brachte mit It’s All Wrong, But It’s All Right einen weiteren Country-Nummer-eins-Hit hervor.
Klein und Parton teilten sich 1978 die Produktionsarbeit bei ihrem Country-Nummer-eins-Hit Heartbreaker. Weitere Spitzenreiter folgten unmittelbar: I Really Got The Feeling, You’re The Only One, Starting Over Again und Old Flames Can’t Hold A Candle To You.
Eine zufällige Begegnung mit der Schauspielerin Jane Fonda auf einem Flug quer durch die Vereinigten Staaten führte dazu, dass Dolly neben Fonda und Lily Tomlin eine der Hauptrollen in der Filmkomödie 9 To 5 von 1980 erhielt. Den Titelsong schrieb Dolly gleich selbst. Er erreichte sowohl in den Pop- als auch in den Country-Charts Platz 1.
Weitere Hauptrollen folgten in The Best Little Whorehouse in Texas – für ihre schauspielerische Leistung in dem Film von 1982 wurde Parton für einen Golden Globe nominiert –, Rhinestone (1984) und Steel Magnolias (1989).
Trio, ihr gefeiertes gemeinsames Album mit Linda Ronstadt und Emmylou Harris aus dem Jahr 1987, erreichte Platinstatus und enthielt unter anderem ihre Country-Nummer-eins-Version von The Teddy Bears’ To Know Him Is To Love Him.
Mit 25 Nummer-eins-Singles in den Country-Charts, 44 Country-Alben in den Top Ten, elf Grammy Awards und einer kaum noch überschaubaren Zahl weiterer Auszeichnungen hinterließ Dolly Parton Spuren wie nur wenige Künstlerinnen oder Künstler ihrer Generation. 1999 wurde sie in die Country Music Hall of Fame aufgenommen. 2022 folgte die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame – eine Ehrung, die sie zunächst ablehnte, bevor sie ihre Haltung noch einmal überdachte.
Ihre üppige Erscheinung und die Kaskaden blonden Haars waren ebenso unverwechselbar wie ihre einzigartige Stimme, die den Klang und den Akzent der Tennessee Hills niemals verlor – und dafür können wir dankbar sein.
In der heutigen, zunehmend austauschbaren Country-Music-Landschaft kann man eines mit Sicherheit sagen: Eine zweite Dolly Parton wird es nicht geben.
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