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Presse - CLP1211 Lancelot Layne "Blow 'way" - musikreviews.de

BEAR FAMILY PRESSE Magazin: ECLIPSED 6/17
CLP 1211 Lancelot Layne

von Thoralf Koß

Wie beschreibt man die Musik einer sehr ungewöhnlichen Doppel-LP plus Single und einem 44seitigen Booklet in Single-Größe oder deren kleines, aber reichhaltig erweitertes, Brüderchen – eine ebenso liebevoll aufgemachte Doppel-CD - am besten, die für viele europäischen Hörgewohnheiten geschulte Ohren sicher mehr als gewöhnungsbedürftig ist, selbst wenn sie Erinnerungen an die absoluten Jamaica-Reggae-Helden BOB MARLEY und EDDIE GRANT, aber auch HARRY BELAFONTE weckt? Außerdem klingt sie vom Sound her nicht etwa nach „Buschmusik“, sondern absolut modern und voller herrlicher Stereo-Effekte samt kristallklaren Kanaltrennungen. Ein wahrer Genuss vor der heimischen Anlage, wenn diese ordentlich Wumms hat. 

Auch kann selbst der Rolling Stone seine Begeisterung für diese Musik, welche mal wieder von BEAR FAMILY RECORDS entdeckt und liebevoll gehegt und gepflegt sowie zu einem urigen Mix zusammengestellt wurde, kaum zügeln, indem er in seiner 2017er Aprilausgabe feststellt: „Seine Songs sind Fanale wider Fremdbestimmung, den biografischen Hintergrund liefert seine Tochter Niasha im Beiheft. Die Rhythmen sprühen karibische Funken!“

Als Einleitung gedenkt in dem Single-großen Heft der LP also Niasha Layne Ford ihrem Vater LANCELOT LAYNE, der am 28. Juli 1990 verstarb, indem sie ihn als einen phänomenalen Sänger, Komponisten, Bassisten, Produzenten, Bandleiter, Ehemann und Vater darstellt, welcher für zwei Dekaden mit seiner Musik das Bewusstsein und Lebensgefühl der Schwarzen in Afrika völlig veränderte und ihnen auf seine Art ihren Stolz zurückgab, der ihnen von der Ideologie der Rassisten genommen worden war: „Sein Augenmerk galt vor allem den Menschen in Trinidad und Tobago. Seine Zuneigung zu diesem Land kann nur mit dem Begriff ‚grenzenlos‘ beschrieben werden. In seinem Kampf für die Anerkennung seiner Worte durch die Menschen traf er auf eine enorme Ablehnung seitens der Nation, die er so innig liebte. Sein unermessliches Engagement und seine Beiträge zur Kultur Trinidads & Tobagos werden auch heute nur von einer kleinen Minderheit gesehen. Er gilt als einer der größten Musiker der Karibik, doch beim besten Willen nicht als der wohlhabendste. Er war von der Idee der Einheit der Nation besessen und sah kein Problem in den vielen verschiedenen ethnischen Gruppen. Unermüdlich und unverdrossen wollte er Lehrer seines Volkes sein.“
Das hat irgendwie auch ein wenig was mit den Idealen eines Gandhi zu tun, denen Layne mit seinem ausschließlich seinen Idealen verpflichtetem Auftreten sehr nahe zu stehen scheint. Nur dass in seinem Falle die Musik der Schlüssel zu den Menschen seiner Nation war.

Dabei konzentrierte sich LANCELOT LAYNE in den Siebzigerjahren auf die Rapso-Musik der Westindischen Inseln Trinidad und Tobago, welche musikalisch die Einflüsse von Soca, Calypso sowie HipHop in sich vereinte und rundum die afrikanische Leidenschaft erklingen ließ. Aber besonders auch der politische Aspekt spielte in dieser Musik – genauso wie beispielsweise beim Reggae – eine immense Rolle. Der Rapso war während der sozialen Unruhen in den 70er-Jahren entstanden, als die Black Panther sowie die Gewerkschaften auf Trinidad und Tobago eine immer stärkere Beachtung fanden und den Mut besaßen, sich auch öffentlich gegen die rassistischen Missstände und Ungerechtigkeiten zu wehren. Der Rapso wurde so auch zu ihrem politisch-musikalischen Ventil! Und der „Erfinder“ des Rapso war LANCELOT LAYNE, dessen Single „Blow ‘Way“ Anfang der Siebziger als die erste Rapso-Aufnahme schlechthin gilt, der dann unmittelbar 1971 „Afro‘ Dadian“ oder 1975 „Make Life Easy On Me“ folgten.

Bei dieser Musik-Leidenschaft und dem Feuer dahinter kommen zugleich Erinnerungen an die beste weltmusikalische Disco-Manie, die nicht nur vom Reggae bestimmt war, sondern auch solch unglaublichen, unvergessenen Mega-Nummern wie SANTA ESMERALDAs „Don‘t Let Me Be Misunderstood“ in den Sinn. Allerdings klingen wirklich beständig die politischen Botschaften dabei durch, die LANCELOT LAYNE in seinem Land eben auch einen Namen als Vorreiter der Kultur-Revolution in den Siebzigern einbrachte, auch indem er in seinen Songs im Umgang mit der banalen Radiokultur seiner Nation „Get Off The Radio“ forderte und stattdessen ordentlich die Percussion auf „Carnival Drum Song“ erklingen ließ. Bei seiner Musik unterstützten ihn zugleich jede Menge namhafte Musiker seines Landes, egal ob Sänger/in oder Jazz-Pianist, Schlagzeuger oder ganze (Kinder-)Chöre.
Sogar bei der Gestaltung des Album-Covers ließ man nichts anbrennen und griff auf einen der bekanntesten bildlichen Maler zurück, den berühmten Schotten PETER DOIG, der seit 2002 in Trinidad & Tobago lebt und sich dort dauerhaft niederließ.

Was soll man zu einem dermaßen ungewöhnlichen Album als FAZIT noch sagen und schreiben, außer: „Yo Tink It Sorf“!?
Und wer das nicht versteht, dem wird die Musik von LANCELOT LAYNE auf „Blow ‘Way“ garantiert die richtige Richtung weisen. Der Erfinder des Rapso (eine Kombination aus Soca, Calypso, Reggae, HipHop, Funk und Soul) und zugleich unerbittliche Mahner gegen jegliche Form von Rassismus erhält hier eine späte Würdigung seiner Musik, mit der er Anfang der Siebziger bis Ende der Achtziger in Trinidad & Tobago eine ähnliche Geschichte schrieb, wie es einem BOB MARLEY in der gleichen Zeit mit seinem Reggae in Jamaika gelang.

PS: Und wo das Album von allen musikalischen Weltmusik-Bären-Freunden gekauft wird, ist ja eigentlich klar, genau hier mit einem Klick und nicht bei...

 
 

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