Wer war/ist Odd Persons ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr

The ODD PERSONS oder DIETMAR & the BEAT BOYS

"Ich bereue nichts," sagt Walter Ortel heute. "Rückblickend war die Zeit wichtiger als alles, was danach kam." Ganz anders Ingo Cramer, er mag nicht erinnert werden, und wenn man ihn nach seinen Aktivitäten in einer Beatband befragt, so wertet er diese ab. Immerhin hat der Star-Club Records Produzent Siggi E. Loch ihn als Gitarristen in seine deutsche Dreamband gewählt.

Heute ist Cramer seine Freizeit zu wertvoll, um auf unbedeutende Fragen nach seiner Geschichte zu antworten, aber er war ja schon immer ein ganz Besonderer. Walter Ortel: "Der wollte die Sachen immer etwas aufpeppen, durch raffinierte Harmoniefolgen. Wir haben ihm dann zugerufen, 'Mensch, Ingo, jetzt laß doch mal die Gitarre fetzen!'" Ingo Cramer: "Ich wollte anspruchsvollere Sachen machen, nicht bloß Schau und Köpfewackeln. Da kam es aber in der Band zu keinem Konsens." Peter Fehlberg: "So stand Ingo auf der Bühne wie eine Salzsäule. Obwohl er 'nen heißen Darm gezupft hat. Die Band hat sich dann gedacht, vielleicht kommt das an, wenn er mit einem Loriot-Gesicht da rumsteht. Es wurde so eine Art Markenzeichen, einer der wie ein Statue plaziert ist, während sich die anderen das Jackenfutter rausreißen."

Mit dem Erfolg des Rock 'n' Roll und in der Folge von Bands wie Edgar & The Breathless oder Rebel Guys wollten auch andere Berliner Jungsspunde die Schwarte krachen lassen und die hübschesten Mädchen abstauben. 1962 taten sich Frank (Nachname unbekannt), ausgerüstet mit einer dicken Marschtrommel, und Walter Ortel, nicht ungeschickt auf dem Klavier, zusammen, um richtigen Rock 'n' Roll vom Leder zu ziehen. Schwer beeindruckt von Jerry Lee Lewis, waren sie angetreten, um sich die Finger auf der Tastatur blutig zu hauen. Fats Domino ging ihnen gut von der Hand. Walter hatte eine klassische Ausbildung, was seiner Rock 'n' Roll-Besessenheit aber keinen Abbruch tat, ihn dann aber in den Augen von Ingo Cramer in der Bandhierarchie etwas höher als der gemeine Plebs ansiedelte.

Zu zweit ist eine Band nur mager ausgestattet, so kam dann Peter Fehlberg mit einem Strippenbass, auch Teekiste genannt. The Beat Boys. Um der Band auch den richtigen optischen Rock 'n' Roll-Touch zu geben – was eine Teekiste ja schwerlich konnte –  erstand Peter etwas Elektrisches, einen Framus-Bass. Und mit diesem Bass hat es so seine Bewandtnis.

Paul McCartney hatte seinen prä-Geigen-Framus-Bass mal an einen Berliner Rock 'n' Roll-Musiker namens Peter verkauft, und von einem Peter kaufte auch Fehlberg seinen Framus Bass: von Peter Blaar (Edgar & The Breathless). Als sich Peter Fehlberg entschied, die Karriere bei der Polizei höher anzusiedeln als die eines Rock 'n' Rollers, wurde ein anderer Basser gebraucht, und da stand wieder ein Peter zu Diensten: Peter Pfaar. Der übernahm nun natürlich auch besagten Framus-Bass von Peter Fehlberg, und das Instrument leistete ihm treue Dienste – bis seine Frau sich draufsetzte, und so war der Framus-Bass im wahrsten Sinne des Wortes im Arsch.

Zusammen mit Pfaar kam Dietmar Schütze (†) als Sänger. Er hatte vorher, mit einer Gitarre bewaffnet, als Alleinunterhalter die einschlägigen Berliner Kneipen unsicher gemacht – mit Schnulzenkram. Zusammen mit Schütze kam der distinguierte Ingo Cramer, und weil dessen Vater die Gitarre im RIAS-Tanzorchester zupfte, war auch sein Filius mit diesem Instrument bestens vertraut; damit hatte die Beat Boys einen ordentlichen Gitarristen. Dietmar und the Beat Boys war nun das Banner, unter dem man segelte. Und als solche machte man die Runde in Jugendzentren und nahm am Aufgalopp zum Star-Club Band Wettbewerb in der Deutschlandhalle Berlin (22. Februar 1964) teil. Beim Zieleinlauf war man die Nummer 3.

Es dauerte kaum ein Jahr, und Dietmar und die Beat Boys machten sich auf nach Hamburg, um dem Star-Club einen persönlichen musikalischen Gruß zu bringen. Walter Ortel: "Nachdem Johnny Weissmüller uns beim Star-Club Kapellenwettbewerb [1. Januar bis 3. Januar 1965] gesehen hatte, befand er uns für gut genug, im Star-Club regulär engagiert zu werden." Mit Johnny Weissmüller meinte er natürlich Manfred Weißleder, den Manager verschiedener Hamburger Kapellen und Star-Club-Besitzer.

Auch in Berlin standen den Beat Boys nun bessere Türen offen, etwa die des Liverpool Hoop oder der Hasenheide. Auch die Hajo Bar... Mit fortschreitenden Zeiten, dem Richtungswechsel in der Frisur von hinten nach vorn, wurde auch eine Nachjustierung des Namens nötig. Das etwas einfältige Dietmar And The Beat Boys musste dem moderneren The Odd Persons weichen.

Im August 1965 gastierten The Odd Persons erneut im Star-Club. Diesmal kamen sie wesentlich besser an als beim ersten Gastspiel. So wurde die Band eingeladen, eine Plattenaufnahme zu machen. Zurück in Berlin,  begaben sich The Odd Persons ins Audioton Studio am Ostpreußendamm in Lichterfelde, um die Absicht in die Tat umzusetzen. Als Resultat stehen Star-Club-Records-Sampler-Beiträge zu Buche.

Peter Fehlberg, mittlerweile aus der Band ausgeschieden und als Polizist auf den Spuren böser Buben, machte nebenbei den Manager. Er verschaffte der Band so viel Arbeit, daß keines der Mitglieder den Schritt ins Profitum bereute. Na ja, Ingo und Dietmar vielleicht: der eine viel zu erhaben, als Nesthäkchen und sieben Jahre jünger als Dietmar; der wiederum als fast väterlicher Freund viel zu erwachsen, um dem kindlichen Vergnügen und den pubertären Späßen des Frank Peter Kaetzke und Walter Ortel was anderes als ein Kopfschütteln abgewinnen zu können. Fehlberg schaffte es mit Vitamin B, einen spanischen Clubbesitzer nach Berlin zu locken, um sich die Band mal anzuhören. Resultat war ein Engagement in Spanien für September '65. Im Tropicana Club in Castelldefels bei Barcelona zeigte man den Spaniern, wo in Deutschland der Beathammer hing. Eines Abends kam Salvador Dali reinspaziert, seinen Gepard an der Leine, und Walter Ortel durfte im Namen des Hauses eine Skulptur überreichen. "Es ist mir gar nicht bewußt gewesen, daß das der groooße Dali war. Aber er hatte ein Herz für Bands, eine andere Berliner Band hatte er eingeladen,auf seinem Anwesen zu wohnen und dort zu experimentieren."

Für die Spanier, sehr konservativ, noch stark vom Faschismus geprägt und schrecklich spießig, waren The Odd Personen unvergleichliche Exoten. Walter Ortel: "Manche kamen und wollten nur mal unsere Haare berühren." Und weil's so gut lief, war es Peter Fehlberg möglich, auch die Gloomy Moon Singers (heute noch bekannt durch ihr prominentestes Mitglied Frank Zander) nach Spanien zu vermitteln. Destination: Tropicana Castelldefels. Aber nicht, bevor The Odd Persons in höhere spanische Sphären aufgestiegen waren.

In Barcelona räumten die Berliner Buben kräftig ab...

ODD PERSONS The Odd Persons
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The Odd Persons
ODD PERSONS: The Odd Persons Art-Nr.: BCD16463

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