Presse - Arthur „Big Boy" Crudup - Rocks - musikreviews.de

ELVIS PRESLEY, den die ganze Welt kennt, war ein großer Fan von ihm, den die Welt, trotz all seines musikalischen Talents, unbeachtet links liegen ließ: ARTHUR ‚BIG BOY‘ CRUDUP! 
Doch dann wühlte sich anno 2017 die musikalischste Bärenfamilie Deutschlands, die Bear Family Records GmbH, mal wieder durch die Musikvergangenheit und grub den „Big Boy“ Crudup wieder aus, der sein Leben als glückloser Bluesman fristete. „The King“ ELVIS wäre garantiert begeistert darüber – und viele, die sich auf dieses kleine musikalische Geschichtsbuch vom Leben und dem Blues der 50er- und 60er-Jahre in Form eines dicken 36seitigen Booklets und einer CD mit 28 Stücken des „BIG BOY“ im dreifaltigen Digipak einlassen, werden genauso begeistert sein.

Der 1905 geborene und 1974 verstorbene amerikanische Blues-Gitarrist und -Sänger schlug sich mehr recht als schlecht bis Mitte der 30er-Jahre als Landarbeiter durch, bis er 1937 zum ersten Mal eine billige Gitarre, bei der auch noch der Hals verbogen war, zur Hand nahm. Diese konnte er wegen ihres Makels nur mit dem Kapodaster spielen. Aus dem Grund entstanden viele seiner Songs auch in der gleichen Tonart. 1940 versuchte er in Chicago als Blues-Musiker Fuß zu fassen, was anfangs gehörig schief ging und er landete in einem Pappkarton, der sein zu Hause sein sollte, direkt auf der South Side unter den Gleisen der „L“-Hochseilbahn. Doch dass der Glaube an die Blues-Musik, wenn man selber den eigenen Lebensblues durchläuft, und das eigene Können Berge ver- und Pappkartons ersetzen kann, erfuhr er ein Jahr später, als ihn ein Chicagoer Top-Blues-Produzent entdeckte und ihm das erste 10-Dollar-Musikangebot unterbreitete. 
So ließ auch ein Plattenangebot nicht lange auf sich warten und 1945 kam der Durchbruch, als er mit dem rotzig-rauen Blues „Rock Me, Mama“ die Charts eroberte.

Genau 20 Jahre nach seinem Tod wurde ARTHUR ‚BIG BOY‘ CRUDUP 1994 in die Blues Hall Of Fame aufgenommen. 
Crudups wahre Hinterlassenschaft aber sind solche unvergesslichen, unzählig von anderen Musikern gecoverte Songs wie „That‘s All Right“ oder „My Baby Left Me“ und natürlich „So Glad You‘re Mine“ und natürlich „I‘m Gonna Dig Myself A Hole“. Aus diesem Loch konnte der „Big Boy“ sich leider nie wirklich befreien!

Im Rahmen der Bear-Family-„Rocks“-Serie wird nun also das umfangreiche Schaffen dieser „übersehenen“ Blues-Legende mit einer picke-packe-vollen, 28 Songs umfassenden CD und einem historisch bewundernswerten, hochinformativen 36seitigen Booklet gewürdigt, das keinerlei Wünsche offen lässt. Dabei versuchte man, die alten und zugleich rockigsten „Big Boy“-Aufnahmen aus den Jahren 1946 – 1962 so gut es nur ging master-technisch zu entstauben, ihnen neues, digitales Leben einzuhauchen. 
Das Ergebnis ist am Ende rundum bewundernswert. 

FAZIT: Er hatte nie wirklich großes Glück als Bluesman in seinem Leben, so sehr er auch von ELVIS PRESLEY bewundert und sogar gecovert wurde. ARTHUR ‚BIG BOY‘ CRUDUP wurde zwar 20 Jahre nach seinem Tod in die „Blues Hall Of Fame“ aufgenommen – eine späte Ehre, die ihm leider zu Lebzeiten verwehrt blieb. Mit dem umfangreichen Album „Rocks“ in Ton, Wort und Bild, das die rockigsten 28 Titel seiner Blues-Karriere präsentiert, wird diese späte Ehrung eindrucksvoll fortgesetzt. 

Thoralf Koß
 
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