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Presse - Various - At The Louisiana Hayride Tonight (20-CD) - Country Music Magazine

Als der Schreiber dieser Zeilen vor ein paar Jahren wieder einmal den amerikanischen Süden bereiste, da machte er auch in Shreveport in Louisiana Station. Um, dort angekommen, sich schnurstracks auf den Weg zum Municipial Auditorium zu begeben. Der Heimstätte des legendären Louisiana Hayride. Doch leider war die Tür verschlossen und im Gegensatz zu vielen anderen Städten in den USA, die ihre musikalische Geschichte pflegen, hatte man hier den Eindruck, als sei diese mythenumrankte Sendung im Grunde fast vergessen. Da halfen auch die Statuen von Elvis Presley und James Burton davor nix mehr. Nur Sonntag von 13 bis 16 Uhr öffnet sich das Louisiana Hayride-Museum. Ansonsten schläft das Gelände einen Dornröschenschlaf. Es wäre wünschenswert, es würde sich hier etwas ändern. Und vielleicht tut es das auch. Die im November 2017 erschiene opulente Pracht-Box At The Louisiana Hayride Tonight könnte einen Wendepunkt setzen.

Cradle Of The Stars

Der Louisiana Hayride war einmal neben der Grand Ole Opry die zweite große Country-Radio-Show des Südens. Sie lief mit Unterbrechungen von 1948 bis 1987 und war fast genauso groß, wichtig und legendär wie die Show aus Nashville. In der Rangfolge war sie aber stets Nummer zwei und galt vor allem als „Sprungbrett“ der Stars, hatte also hiermit eine ganz wichtige Funktion in der Countryszene. Sie war in den 1950er Jahren im ländlichen Süden der USA eine Institution.

Hank Williams erzielte hier 1948 seinen Durchbuch und ebenso Elvis Presley, auch Johny Cash hatte hier seine ersten bejubelten Auftritte und Kitty Wells – „It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels“ – war eine der ersten Stars der Radio-Show mit Jamboree. Während die Opry sich dann stets die dicksten Fische angelte, baute die Lousisiana Hayride schon den nächsten Star auf. Während Hank noch einmal zu ihr zurückkehrte, als er 1952 für die Opry zu unzuverlässig wurde, entschwand Elvis in ganz andere Sphären. Er versetzte das Publikum bei seinem letzten Auftritt in Shreveport am 15. Dezember 1956 derart in Begeisterung, dass Moderator Horace Lee Logan die Show nur ordnungsgemäß weiterführen konnte, indem er dem Publikum, das am Liebsten Elvis nach draußen gefolgt wäre, mit dem mittlerweile klassischen Ausspruch „Elvis has just left the building!“ zurückhielt. In Gänze sagte Logan: „Bitte, junge Leute, Elvis hat das Gebäude verlassen. Er ist in sein Auto gestiegen und weggefahren. Bitte setzt Euch hin.“

Von der Hillbillymusik zu Rockabilly und Country. Der Lousiana Hayride als Labor als Labor auf offener Bühne

Ende der 1920er Anfang der 1930er Jahre entstand die Countrymusik, indem man damit die auf Platte gebannte vornehmlich weiße Hillbillymusik unter dem Laben Country & Western in den Plattenläden einordnete. Die schwarze Hillbillymusik hieß zuerst Race Records, später Blues. War bis Anfang der 1940er Jahre die traditionelle Bandbesetzung die der String Band, also Akustikgitarre, Banjo, Geige, Mandoline, möglicherweise ein Stehbass, ändert sich die Besetzung ab Ende der 1930er Jahre langsam. Der Honky Tonk von den Arbeitern der Ölfelder aus Texas und Oklahoma ist elektrisch verstärkt, es werden Dobro und Pedal Steel eingesetzt, hier und da auch ein Schlagzeug. In der Grand Ole Opry war es Ernest Tubb, der 1943 als erster Künstler eine E-Gitarre einsetzte, das Schlagzeug blieb dort noch bis in der 1950er unerwünscht.

In dem erst 1948 auf Sendung gehenden Lousisiana Hayride hielt man sich mit derlei Restriktionen nicht lange auf. Johnny Horton, einer der Stars des Louisiana Hayride vereinte in seinem Stil Folk, Honky Tonk und Rockabilly. Und auch Hank Williams Musik kündigte schon die aufziehende musikalische Explosion des Rock’n’Roll an. Johnny Cash spielte auch Rockabilly, und Elvis den Rock’n’Roll. In Shreveport vollzog sich der Wandel der ländlichen Volksmusik des Südens zum All-American Rock’n’Roll während die Grand Ole Opry sich als Lordsiegelbewahrer alter Traditionen verstand, bis dann Chet Atkins dem wilden Rock’n’Roll den geleckten Nashville Sound entgegensetzte. Eine künstlerische Sackgasse; die erst vom Bakersfield Sound und dann vom Country-Rock geschliffen wurde.

Der Niedergang des Louisiana Hayride

War der Niedergang des Lousiana Hayride oberflächlich mit dem Verlust von Elvis als Zugpferd verbunden, so war es im Grunde die mit ihm kommende musikalische Veränderung, die zum Sargnagel der Hayride wurde. Sie wurde schlichtweg nicht mehr gebraucht. Die Pop Invasion kam aus Großbritannien, das Folk- und Bluesrevival aus den großen Metropolen der Ost- und Westküste. Die Grand Ole Opry blieb als einzige der großen Radioshows erhalten. Alle Versuche zwischen 1958 und 1967 die Louisiana Hayride wiederzubeleben waren nicht von Erfolg gekrönt. Und heute wächst Moos über die Show.

Das Box-Set der Bear Family

Ja wenn die Bear Family nicht wäre. Die sich mit der Ende letzten Jahres erschienen Box wieder einmal selbst übertroffen hat. Sie hat die legendären ‚Louisiana Hayride‘-Radioübertragungen von KWKH aus den 1940er, 50er und 60er Jahren, insgesamt mehr als 25 Stunden Musik auf 20 CDs gebannt.

Und diese Box steckt voller Superlative: 529 Liveaufnahmen einschließlich zuvor unbekannter Titel von Hank Williams, 11 live im Studio eingespielte Transcriptions von u.a. Kitty Wells, Johnnie und Jack, Hank Williams und Curley Williams, 19 reguläre Studioaufnahmen, darunter Hits von Slim Whitman, den Browns, Mitchell Torok, Jim Reeves, Mac Wiseman und Carolyn Bradshaw. Insgesamt sind 167 verschiedene Künstler zu hören wie wie Hank Williams, Elvis Presley, Johnny Horton, Webb Pierce, Faron Young, Jim Reeves, George Jones, Johnny Cash, Rose Maddox, Frankie Miller, Cousin Emmy, June Carter, Roy Acuff, die Bailes Brothers, die Oklahoma Wranglers, Norma Jean, die Browns, die Carlisles, die Louvin Brothers, Jimmy Newman, Ray Price, Roger Miller, Ferlin Husky, Warren Smith, Wynn Stewart, Grandpa Jones, Rusty und Doug Kershaw, Slim Whitman und die Wilburn Brothers.

Dazu gibt es wie immer fachkundige Erklärungen zur Musik und hier natürlich zum Louisiana Hayride. Diesmal von Martin Hawkins und Colin Escott in einem 224-seitigem gebundenem Buch.

Fazit: Ein faszinierendes Box-Set, das hoffentlich die Erinnerungen und die Beschäftigung mit dem Louisiana Hayride wiederbelebt.

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http://www.country.de/2018/01/22/an-der-schnittstelle-von-roots-und-fruits-das-phaenomen-louisiana-hayride/

 
 

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