Presse - Various - Aus grauer Städte Mauern-Die Neue Deutsche Welle (NDW) 1977-1985 - Der Sonntag, 18/19.06.2016

Der Sonntag, 18/19.06.2016, Auflage: 371.527 
Foto: Bear Family 
Artikel-Nr. BCD17371 Preiscode: BS EAN: 5397102173714 
Aus grauer Städte Mauern-Die Neue Deutsche Welle (NDW) 1977-1985 - Teil 2

Aus grauer Städte Mauern Die Neue Deutsche Welle (NDW) 1977-1985 - Teil 1
Fotos: dpa. Bear Family; Gestaltung: dpa, Lerzer
MUSIK
Das war die perfekte Welle
Bunte Vielfalt: Die Neue Deutsche Welle brachte eine Fülle an Bands hervor — unter anderem die Avantgardisten Der Plan (un-tere Reihe, ganz links) oder die Fehlfarben mit Sänger Peter Hein (untere Reihe, ganz rechts außen).
Vor dreieinhalb Jahrzehnten sangen plötzlich alle in ihrer Muttersprache: Die Neue Deutsche Welle schwappte über das Land — Eine breit angelegte Rückschau zeigt, wie bunt und vielgestaltig diese kurzlebige Bewegung war. 
Sie kam ganz plötzlich, ver-änderte sich völlig und ver-schwand abrupt wieder. Vor 35 Jahren, im Juni 1981, ver-öffentlichte die Spider Murphy Gang ihr Album „Dolce Vita", und im Som-mer nahm die Band Trio ihr Debütal-bum auf — das Phänomen Neue Deut-sche Welle steuerte auf seinen Höhe-punkt zu. Doch so schnell, wie diese Bewegung, die die deutsche Popmu-sik für immer verändern sollte, ge-kommen war, so schnell verschwand sie auch wieder. Im Jahr 1982 kletterte der Spider-Murphy-Gang-Hit „Skan-dal im Sperrbezirk" von „Dolce Vita" auf Platz eins der Charts, die Trio-Single „Da da da" (ein Stück, das ur-sprünglich nicht auf dem Debütal-bum, sondern nur als Single veröf-fentlicht wurde) auf Platz zwei. Welt-weit war natürlich „da da da" der grö-ßere Hit, aber in Deutschland ver-hinderte Nicoles Grand-Prix-Erfolg „Ein bisschen Frieden", dass Trio die Chartspitze erklomm 1983 folgte die große Zeit von Acts wie Nena oder Pe-ter Schilling. Doch schon 1984 hießen die deutschsprachigen Chartstürmer Nino de Angelo und Herbert Gröne-meyer. Die Neue Deutsche Welle (NDW) war bereits wieder Geschichte. Nun liegt bei der renommierten „Bear Family"-Plattenfirma ein Zusammen-schnitt vor, der so kompetent und kenntnisreich wie kein anderes Pro-dukt das Phänomen Neue Deutsche Welle Revue passieren lässt: Auf vier Doppel-CDs mit jeweils einem dicken Booldet blickt die Reihe „Aus grauer Städte Mauern. Die Neue Deutsche Welle 1977-85" auf die wohl produk-tivste und vielschichtigste Zeit deut-scher Popmusik zurück. Das Durch-einander ist dabei Programm, wie der Popexperte und Musikjournalist Burghard Rausch erläutert, der diese
Reihe zusammengestellt hat: „Diese CDs sollen die gesamte Bandbreite der NDW abdecken und das Ganze auch so abbilden, wie es damals wahrge-nommen wurde. Schlager standen ne-ben Avantgardistischem, Rockabilly neben Synthesizer-Sounds." So ste-hen auf den CDs Gruppen friedlich ne-beneinander, die in ihrer musikali-schen Ausrichtung wenig bis über-haupt nichts gemeinsam haben: Spi-der Murphy Gang, Spliff, Extrabreit oder Ace Cats neben Jawoll, Hubert Kah, Ixi oder Rheingold neben Palais Schaumburg, Foyer des Arts, Deutsch-Amerikanische Freundschaft oder Freiwillige Selbstkontrolle neben The Stripes, Lüül, Saal 3 oder Die X Agen-ten — also klassische Rock- oder Rock'n'Roll-Bands mit deutschen Texten neben klassischen NDW-Acts, neben Avantgarde-Acts, neben fast vergessenen Artefakten.
Buntes Durcheinander
Verschiedene Stile und Herangehens-weisen schwappen auf den insgesamt acht CDs bunt durcheinander. Bis es so weit war und nun Sampler he-rausgekommen sind, bei denen man als Hörer einmal vergangenheitsbe-wegt mitsummt, um kurz darauf er-staunt eine Neuentdeckung zu ma-chen, musste ein gutes Stück Arbeit er-ledigt werden, wie Rausch berichtet: „Der erste Impuls war, es alphabe-tisch zu machen. Dann hast du aber fünf Nena-Songs hintereinander. Also chronologisch. Dann hast du aber am Anfang nur die punkigen, schrägen Stücke, und am Ende nur die poppi-gen, schlagermäßigen Lieder. Wir wollten aber, dass die CDs zum einen durchhörbar sind, zum anderen aber auch abwechslungsreich. Am Ende war sehr viel Bauchgefühl dabei bei der Festlegung der Reihenfolge. Ich habe mir dann die Titel auf Zettelchen no-
tiert und kleine Häufchen gemacht: schräge Stücke, Schlager-Stücke, pun-kige Stücke, Revival-Stücke. Schließ-lich habe ich sie so hintereinander an-geordnet, dass eine Mischung ent-steht, die die Hörer bei der Stange hält. Ich hoffe, das hat geklappt." Bevor es so weit war und die Stücke ge-ordnet werden konnten, war aller-dings die rechtliche Seite zu klären. Bei 182 Stücken, die vor drei bis vier Jahrzehnten erschienen sind, noch dazu nicht selten auf kleinen, schon lange versunkenen Labels, alles an-dere als nur ein gemütliches Abtele-fonieren. Dennoch fand Burghard Rausch seine Freude an der Fieselar-beit: „Bei einigen Songs waren die Rechte überhaupt nicht geklärt; bei anderen sperrten sich die Plattenfir-men. So war es zum Beispiel bei den Fehlfarben; da musste erst Frank Fenstermacher sich an die Plattenfir-ma wenden und die Sache klären. In anderen Fällen gab es aber überhaupt keine Chance. Zum Beispiel bei Falco. Falco hat in seinem Testament ver-fügt, dass seine Stücke auf keiner Kompilation erscheinen dürfen — au-ßer auf seinen eigenen. Meine Frau hat mich manchmal schon gesiezt, weil sie mich so selten gesehen hat, aber es war ein Riesenspaß. Für mich ist das Musikjournalismus, in den Ar-chiven wühlen, finden, weitersuchen, zusammenkombinieren. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich fast jedes Pseu-donym aufklären konnte!" Allerdings gibt es auch Fälle, in denen sich die Band dem gesamten Konzept verweigert hat. Prominentes Beispiel: Die Einstürzenden Neubauten. Rausch berichtet: „Die Neubauten haben ge-sagt: ,Wir haben nichts mit der Neuen Deutschen Wellle zu tun.' Da habe ich gesagt: ,Das stimmt so nicht, am An-fang hattet ihr schon mit der Neuen Deutschen Welle zu tun.' Aber Blixa Bargeld ließ sich nicht umstimmen "
Die NDW:
Als Neue Deutsche Welle —kurz NDW — wird eine Pha-se der deutschen Popmusik bezeichnet, die Anfang der 1980er-Jahre ihren Höhe-punkt erlebte. Den Begriff formte 1979 der Musik-journalist Alfred Hilsberg. Zu der Zeit prägten noch avantgardistische, punkige Klänge das Bild. Ab 1981 war die NDW sehr erfolg-reich. Da hießen die Stars Peter Schilling, Trio, Ideal, Extrabreit oder die Spider Murphy Gang. Nach ihrem Höhepunkt 1983 nutzte sich die NDW recht schnell ab. Nun liegt mit „Aus grauer Städte Mauern. Die Neue Deutsche 1977-85" (Bear Family) eine umfangreiche Rückschau (vier Doppel-CDs mit je rund 150 Seiten Booklet) auf dieses Pop-Phänomen vor.

Der Fall ist ein prominentes Beispiel, wie schwierig die Grenzziehung ist. Burghard Rausch hat dabei den ein-fachen Weg gewählt und fast alles, was Ende der 1970er-Jahre und Anfang der 1980er-Jahre an deutschsprachiger Musik erschienen ist, darunter sub-sumiert. So finden auch Nina Hagen und die Münchner Freiheit ihren Platz.
Schwierige Grenzziehung Allen versammelten Acts ist gemein-sam, dass sie innerhalb weniger Jahre eine neue Ausdrucksweise in der deut-schen Popmusik etablierten, die einen Weg erschloss — weg von der konkre-ten Erzählung hin zum sloganhaften, Assoziativen. Etwas auf der Strecke bleibt durch die Art der Zusammen-stellung leider, wie sich die Neue Deutsche Welle chronologisch entwi-ckelt hat: Am Anfang stand die Ver-bindung von Punk mit der neuen Technik der immer kompakter wer-denden elektronischen Musikinstru-mente. So entwickelten junge Künst-ler einen eigenen Klang und damit auch Sprach-Ästhetik. Als die Plat-tenfirmen dieses Phänomen schließ-lich aufgriffen, wurde innerhalb von nicht mehr als drei Jahren immer noch pfiffiger Deutschrock daraus, schließ-lich aber Schlager mit schrägen Fri-suren. Während sich frühe Bands wie Der Plan in ihrem Outfit noch an Da-da orientierten, verkam das bei spä-teren Gruppen wie Hubert Kah zum Karnevalsklamauk. Dennoch bleibt von der Neuen Deutschen Welle ein Schatz an mitreißender bis intelli-genter Popmusik, die es in manchen Einzelteilen immer noch zu entde-cken lohnt. Burghard Rausch: „Es gibt sehr viel wiederzuentdecken. Und ich weiß nicht, ob Herbert Grönemeyer oder „die Ärzte" heute solchen Erfolg hätten, wenn es die Neue Deutsche Welle nicht gegeben hätte.

Von Markus Schwarz

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